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Interview mit DOK-Generalsekretärin Sr. Walburga M. Scheibel OSF
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Die Nachrichtenagentur ddp führte am 11. März 2010 ein Interview mit DOK-Generalsekretärin Sr. Walburga M. Scheibel OSF zum Thema der Missbrauchsfälle in Ordenseinrichtungen.

Wie haben Sie von den Missbrauchsvorfällen erfahren?

Schon 2002 haben wir die Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute in Kraft gesetzt. Dennoch kam die Thematik jetzt sehr unerwartet auf die Deutsche Ordensobernkonferenz zu. Von der Ordensgemeinschaft der Jesuiten erhielten wir eine Nachricht, dass es Missbrauchsfälle in deren Gemeinschaft beziehungsweise an Schulen der Jesuiten gebe. Zeitgleich kamen die Vorfälle dann auch schon in die Presse.

Was war Ihre erste Reaktion, als sie damit konfrontiert wurden?

Im ersten Moment war ich sehr überrascht. Zeitgleich setzte sich bei mir aber auch eine tiefe Betroffenheit durch. Angesichts der immer neuen Vorwürfe und zunehmenden Details, die an die Öffentlichkeit gelangen, bin ich einfach beschämt, dass solche Dinge in unseren Gemeinschaften passiert sind.

Wie lässt sich die Stimmung in den Ordensgemeinschaften beschreiben?

In unseren Gemeinschaften herrscht eine tiefe Betroffenheit gegenüber den Opfern. Es ist ein ganz großes Drama, was Menschen in jungen Jahren angetan worden ist. Aus diesem Grund geht es den Ordensgemeinschaften darum, eine möglichst rasche Aufklärung der gesamten Vorwürfe zu ermöglichen. Alle Gemeinschaften sind dafür offen und agieren sehr wachsam.

Wenn man bedenkt, dass Vorwürfe von Oberen vertuscht wurden und Ordensleute weiterhin in Schulen tätig waren, muss man sich fragen, was für Fehler in den vergangenen Jahrzehnten gemacht wurden?

Es gab in den vergangenen Jahrzehnten sicherlich Situationen und Fälle, in denen nicht im Sinne der Aufklärung gehandelt wurde. Dort hat man vielleicht die Tragweite der Geschehnisse nicht erfasst, sie falsch eingeschätzt oder war in falscher Weise um den eigenen «guten Ruf» besorgt. Manche Gemeinschaften sagen auch, dass es Fälle gab, in denen die Opfer weder ihre Namen genannt haben noch öffentlich auftreten wollten. Dies mag dazu beigetragen haben, dass die Aufklärung teilweise nicht weiter betrieben wurde. Dass Täter aber weiterhin in Schulen geblieben sind, ist etwas, das nicht vorkommen darf. Da gibt es keine Toleranz.

Würden Sie sagen, dass es eine Kultur des Schweigens und Wegsehens gab?

Ich selber bin 1975 in den Orden eingetreten. Während meiner Ordensausbildung habe ich erlebt, dass das Thema Sexualität - und wie wir damit umgehen sollen - offen angesprochen wurde. Dies war allerdings nicht zu allen Zeiten so. Früher wurde über Sexualität wenig gesprochen - auch in den Familien. Mittlerweile geht man aber auch in den Ordensgemeinschaften offener mit dem Thema um.

Was tut die DOK, um einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten?

Die Deutsche Ordensobernkonferenz nutzt jede Gelegenheit, ihre Mitglieder zu lückenloser Aufklärung aufzufordern. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns dem Thema Missbrauch intensiv zuwenden. Dazu wird die Ordensausbildung ebenso in den Blick genommen, wie das Leben in den Orden. Auch die Arbeit der Leitungsverantwortlichen wird unterstützt.

In den DOK-Leitlinien wird zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch zunächst eine kircheninterne Untersuchung empfohlen. Wieso wird nicht direkt der Weg der weltlichen Rechtsordnung beschritten?

Damit es eine wirkliche Aufklärung gibt, ist es nötig, die staatlichen Instanzen rückhaltlos einzubeziehen. Das kirchliche Verfahren ist unabhängig von dem staatlichen und von diesem völlig getrennt.

Die Opfer von Missbräuchen kämpfen oftmals ihr Leben lang mit den Folgen. Was kann in Zukunft für diese Menschen getan werden?

Es darf nicht der Eindruck entstehen, man könnte das Geschehene mit Geld wieder gut machen. Wir müssen die Opfer ernst nehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Das Ziel muss die Rehabilitation der Opfer sein. Es ist uns allen klar, dass Missbräuche einen sehr schwerwiegenden Eingriff in das Leben der Menschen darstellen. Der ist nicht einfach wieder gut zu machen. Zumindest aber kann ich sagen, dass Gesprächsmöglichkeiten zwischen den Opfern und den Orden geschaffen und Therapieangebote bereitgestellt werden müssen.

Was schätzen Sie, wie groß der Schaden für die Ordensgemeinschaften nun ist?

In den letzten Wochen ist sehr viel Vertrauen in die Ordensgemeinschaften kaputt gegangen. Es wird ein schwerer und intensiver Weg sein, dies wieder zurückzugewinnen. Nur wenn deutlich wird, dass alles getan wird, in Zukunft solche Übergriffe zu verhindern, kann Vertrauen wieder wachsen.

Sollten oder könnten die Enthüllungen Auswirkungen auf die zölibatären Grundsätze der katholischen Kirche haben?

Der Zölibat umfasst sehr viel mehr Aspekte als nur den sexuellen. Deswegen denke ich, dass die zölibatären Grundsätze aufgrund der Missbrauchsvorfälle nicht geändert werden müssen. Zudem haben Wissenschaftler deutlich gemacht, dass der Missbrauch nicht eine Sache des Zölibates ist. Leider kommt Missbrauch in allen gesellschaftlichen Kontexten vor. Es handelt sich wohl um ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Was muss getan werden, damit Missbräuche in Zukunft verhindert werden?

Ich bin leider skeptisch, ob man derartige Übergriffe gänzlich verhindern kann. Allerdings ist es unsere Aufgabe, Ausbildung, Prävention und Transparenz in unseren Einrichtungen ständig zu verbessern. Persönlich müssen wir uns auch unsere Fehlbarkeit vor Augen halten. Wir können und dürfen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und brauchen eine Kultur des Hinschauens.
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