Kolumne

  • 07.02.2016   |  von Sr. Dr. Katharina Ganz

    Wider den "What aboutism"

    In der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ vom 21. Januar diagnostiziert Adam Soboczynski ein interessantes Phänomen: Stimmen, die auf Menschenrechtsverletzungen hinweisen, werden ignoriert, indem man die kritischen Fragensteller verunglimpft und die angemahnten Missstände relativiert. Mit dieser Argumentationsstrategie des „What-aboutism“ werde die Debatte beendet, bevor sie überhaupt begonnen habe. 

    Ich kann dem Autor voll zustimmen, wenn ich an die Reaktionen auf den „Offenen Brief“ an den bayerischen Ministerpräsidenten denke. 45 VertreterInnen bayerischer Ordensgemeinschaften und Kongregationen hatten sich am 11. November 2015 an Horst Seehofer gewandt, um die Rhetorik der CSU anzumahnen, die Flüchtlinge teilweise in ein „zwiespältiges Licht“ stellte. Sie forderten eine menschenfreundliche Behandlung der bei uns Ankommenden ein, wollten Missstände aufdecken und vor geistiger Brandstiftung warnen.


    Von Seiten der Medien und der Politik wurden wir gehört. Fast zwei Stunden lang diskutierten fünf OrdensvertreterInnen mit Herrn Seehofer, sie empfanden den Austausch als konstruktiv und konnten Nachdenklichkeit erzeugen. Unzählige Menschen äußerten ihren Dank, Respekt und Achtung.


    Ein Teil der Emails, Faxe und Briefe sprach dagegen eine andere, gehässige Sprache. Unser Anliegen wurde mit gezielten Gegenschlägen gekontert: Menschenrechte für Flüchtlinge? What about Hexenverfolgung, Kreuzzüge, Limburger Luxusbau, sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen? In diffamierendem Ton lautete die Botschaft: Wer selbst Dreck am Stecken hat, soll bitteschön die Klappe halten! Kirchliche Institutionen hätten so viel Leid über die Menschheit gebracht; man könne froh sein, dass es nun eine Trennung von Kirche und Staat gebe. Religiosität werde allenfalls hinter Klostermauern oder im privaten Kämmerlein geduldet. In der Öffentlichkeit habe sie nichts verloren.


    Demgegenüber ist einzuwenden: Verirrungen in der Geschichte entbinden nicht davon, Ideale zu beherzigen, die zu einer humanen Gestaltung der Gesellschaft auffordern. Die Goldene Regel ist eine davon. Sie gilt religionsübergreifend. Für einen menschlichen, auf Höflichkeit und Respekt basierenden Umgang in einer zivilen Gesellschaft sollte sie allemal gelten. 

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