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Kolumne

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vom 16.05.2010
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Religion und Religionsfreiheit

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Von P. Bruno Robeck OCist.
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Es hat mich fast gewundert, dass vor einer Woche bei der NRW-Landtagswahl kein Alternativzeichen zum Kreuz für Nichtchristen auf dem Wahlzettel vorgesehen war. Das gegenwärtige Klima ist so sehr von einer Angst der Gefährdung der Religionsfreiheit aufgeladen, dass man die Religion (vor allem den eigenen christlichen Wurzelgrund) aus allem herauszuhalten versucht, um die Freiheit der Religion zu ermöglichen.

Auf diese Art und Weise entsteht jedoch ein gesellschaftlicher Raum frei von Religion und nicht ein Raum frei für Religion. Wobei diese Aussage so auch nicht stimmt, denn die Wahrnehmung vieler Menschen ist eine andere. Sie erleben, dass der Staat einerseits die christliche Religion aus dem öffentlichen Bereich wegdrängt. Sie erleben andererseits, dass derselbe Staat andere Religionen, zum Beispiel den Islam, in seinem Drängen nach öffentlicher Wahrnehmung stützt.

Die Religionsfreiheit muss doch für Menschen aller Religionen Geltung haben. Die Religionsfreiheit fordert mich doch nicht auf, meine christlichen Symbole ins Private zu verbannen, sondern sie ermutigt mich dazu, den eigenen Glauben in der Gesellschaft zu zeigen. Andrerseits fordert die Religionsfreiheit mich dazu heraus, dem Andersgläubigen ebenfalls das Recht einzuräumen, seinen Glauben zeigen und leben zu lassen. Reflexartige Kurzschlussargumentationen, wie "wenn in der Türkei keine Kirche gebaut werden darf, soll auch hier keine Moschee stehen", sind fehl am Platz. Die Religionsfreiheit verbrieft also allen das Recht, den eigenen Glauben zu leben. Doch um dieses Recht anwenden zu können, muss man einen eigenen Glauben haben. Viele Muslime sind in beeindruckender Weise in ihrem Glauben verwurzelt. Und viele Christen?

Zeigen wir Christen gerne das Kreuz? Aus der Geschichte der Christenheit wissen wir auch um die dunklen Perioden im Zeichen des Kreuzes. Auf diesem Hintergrund ist es mehr als angezeigt, behutsam mit dem Kreuz umzugehen. Wir tragen das Erbe der Schuld, aber wir tragen ebenso das Erbe der Verheißung. Und gerade dieses Erbe hält und trägt uns durch alle Schuld.

Wir dürfen das Kreuz nicht verstecken, weil es in der Geschichte missverstanden und missbraucht worden ist. Wir müssen dem Kreuz seinen Glanz wiedergeben als Zeichen der Liebe und der Hingabe, der Barmherzigkeit und der Demut. Die Religionsfreiheit gibt uns das Recht dazu und unser Glaube die Pflicht, dies zu tun.
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Über den Autor
Bruno Robeck OCist.
P. Bruno Robeck OCist. ist Prior des Zisterzienserklosters Langwaden in Grevenbroich.
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