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Kolumne

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vom 04.07.2010
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Ordenschristen – Experten im Umgang mit Armut

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von P. Josef Grünner SDB
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Auf das Sparpaket der Bundesregierung reagieren Politiker, Gewerkschaften und Kirchen gleichermaßen mit Unverständnis, Kritik und Protesten. Kirchliche Vertreter und Sozialverbände sprechen von falschen Signalen und warnen vor den fatalen Folgen einer massiven Kürzung der Sozialleistungen.

Der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) kritisiert die Maßnahmen als einseitig, weil sie besonders zu Lasten von jungen Menschen gingen und nicht gerecht seien. „Viele Jugendliche haben Schwierigkeit, sich in den Erwerbsarbeitsmarkt zu integrieren und brauchen Unterstützung — auch vom Staat. Er muss Hilfe bieten zur Befähigung für ein eigenverantwortliches Leben“, so die Bundesvorsitzende Ursula Fehling.

In dieser schwierigen Situation stelle ich mir die Frage, wie eine Unterstützung von Menschen in Armut gerade auch durch uns Ordenschristen geschehen kann, die wir aufgrund Profess versprochen haben, arm zu leben und so freiwillig „Experten“ bezüglich einem Leben in Armut sein können. Insbesondere sehe ich drei Ansätze:

a) Das Gelübde der Armut erfüllt und zeichenhaft leben
Unser freiwilliges Versprechen, arm zu leben, ist Ausdruck dafür, dass wir in innerer Freiheit zu den Dingen des Lebens stehen, uns von ihnen nicht abhängig machen und die Gaben (materielle wie geistige) mit anderen teilen und für sie einsetzen wollen. Es ist ermutigend, wenn Menschen an uns ablesen können, dass bejahte Armut hilft, Lebensqualitäten zu entfalten, die nicht im Besitz und Konsum liegen. Unsere Armut konkretisiert sich zudem in einem Lebensstil, der im verantwortlichen Umgang mit den Gütern der Schöpfungsordnung Rechnung trägt und einer Kultur des Lebens dient. Armut um des Himmelreiches willen kann so ein prophetisches Zeichen in der Situation jetzt sein.

b) Armut bekämpfen und überwinden helfen
Das Gelübde der Armut ist ein Auftrag zur Solidarität mit den Armen, die aus welchen Gründen auch immer zu den Benachteiligten und sozial Schwachen in der Gesellschaft gehören und nicht aus eigener Kraft aus der Situation von existentieller Not herauskommen. Sie brauchen tatkräftige Unterstützung durch konkrete Hilfe, ebenso durch Lobbyarbeit und durch Offenlegen von Situationen und Strukturen des Unrechts, wie sie von Orden vielfältig geschieht.

c) Durch Bildung der Armut vorbeugen
Um Armut langfristig und nachhaltig zu überwinden, ist es unerlässlich, insbesondere bei jungen Menschen viel in Bildung zu investieren. Schulische und berufliche, persönliche und soziale Förderung, aber ebenso auch religiöse Bildung sind der Weg, um Armut wirksam vorzubeugen. Dass sich viele Ordensgemeinschaften seit jeher der Erziehung und Bildung von jungen Menschen widmen, hat darin einen wichtigen Grund. Es wäre befremdlich und unverständlich, wenn mit den jetzt geplanten Sparmaßnahmen bei der Bildung junger Menschen gekürzt würde. Wer in der Zukunft sparen will, muss jetzt großzügig in die Zukunft investieren, um der jungen Menschen willen.

Es ist zu wünschen, dass in der gegenwärtigen Situation nicht nur die Strategen des sozialen Marktes und die Finanzfachleute gefragt werden, sondern auch jene mehr gehört werden, die als Experten von Armut seit zweitausend Jahren ihr geistliches Lebenskonzept mit der sozialen Situation der Menschen und mit Gott in Verbindung bringen und aus ethischer Mitverantwortung langfristig dazu beitragen, dass Menschen in Würde leben können und eine Zukunft haben
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Über den Autor
P. Josef Grünner SDB
P. Josef Grünner SDB ist Provinzial der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos.
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