Kolumne

  • 25.01.2015   |  von Fr. Daniel Tibi OSB

    Zuhause, bei mir

    Der Weg nach Hause beginnt mit dem Aufbruch...

    Wo bin ich zu Hause? In meiner Heimatstadt? Dort, wo meine Familie wohnt? Ein Mönch würde wohl antworten: im Kloster, ist doch das Kloster seine neue Heimat und die Gemeinschaft seine neue Familie geworden.

    Sicherlich stimmt das, und eine tiefe Verwurzelung an einem Ort und einer Gemeinschaft ist wichtig, aber es gibt noch eine tiefere Ebene des

    Zuhause-Seins: das Bei-sich-selbst-zu-Hause-Sein oder „habitare secum“, wie es Gregor der Große in seiner Lebensbeschreibung unseres Ordensvaters Benedikt von Nursia nennt.

    Der Weg nach Hause beginnt mit dem Aufbruch. Benedikt bricht seine Studien in Rom ab und verlässt seine Familie, um in der Einsamkeit seiner Einsiedelei in Subiaco zu sich selbst zu finden. Zu sich selbst zu finden und zu Gott zu finden ist letztlich eins. Nach der Lehre der Mönchsväter führt der Weg dorthin über die Auseinandersetzung mit den „Dämonen“ – oder wir würde heute sagen Gedanken –, die einen bedrängen.

    Drei Jahre verbrachte Benedikt als Einsiedler in einer Höhle, um sich dem Dämonen- oder Gedankenkampf zu stellen. In dieser Zeit übte er sich in jene Herzensruhe oder Apatheia ein, die Grundlage dafür ist, bei sich selbst zu Hause zu sein. Damit hat er aber erst den Anfang seines Lebensweges beschritten. Bei sich selbst anzukommen ist kein Selbstzweck. Benedikts weiterer Weg führte ihn aus der Einsamkeit seiner Höhle heraus zu den Menschen. Sein Wirken war keine geradlinige Erfolgsgeschichte, im Gegenteil er musste Niederlagen einstecken, die er aber verarbeiten konnte, da er bei sich selbst zu Hause war. Er gründete Klöster, schrieb eine Mönchsregel und wurde in tausendfünfhundert Jahren vielen Mönchen zu einem geistlichen Vater. Und Benedikts spiritueller Weg ging noch weiter: Die Seele, die bei sich selbst zu Hause ist, strebt danach, in der Kontemplation über sich selbst hinauszusteigen, sich in der Kontemplation mit Gott zu vereinen.

    Wir können heute nicht alles aufgeben und uns für drei Jahre in eine Höhle zurückziehen, selbst wir Ordensleute nicht. Doch eine Zeit, in der wir zu uns selbst und damit auch zu Gott finden, ist für jeden von uns wichtig. Für uns Ordensleute kann das die Noviziatszeit sein. Für alle anderen kann das ein längerer Aufenthalt in einem Kloster sein, in dem wir Ordensleute an andere weitergeben, was wir selbst erfahren haben.

    Damit jeder von uns sein Zuhause findet: an einem Ort, in einer Gemeinschaft und bei sich selbst.

  • Kolumnen der Vorwochen
  • JAN
    18
    von Sr. Petra Car

    „Unterwegs auf den Landstraßen der Welt“

    Mehr Liebe in die Welt bringen, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen und den notleidenden Menschen wahrnehmen und dadurch zu Menschen der Liebe werden – das ist unser Ziel und Auftrag... Mehr

  • JAN
    11
    von Sr. Regina Pröls

    Eine Liebeserklärung - die Taufe

    Allen Getauften gemeinsam – ob es uns bewusst ist oder nicht – ist die ewig treue Verbundenheit mit Gott geschenkt... Mehr

  • JAN
    04
    von Sr. Simone Weber ADJC

    Der kleine Stern

    Es war einmal ein kleiner Stern, der saß in einer Ecke des Weltalls und hatte die Augen geschlossen. Er dachte, was soll ich überhaupt, ich bin so klein und keiner wird mich vermissen, wenn ich nicht mehr da bin... Mehr

  • DEC
    28
    von Sr. Dr. Lioba Fau OSB

    Wünsche zum neuen Jahr

    Lass mich einfach da mit friedlichem Herzen bleiben, wo du mich hingestellt hast, auffindbar für die anderen, wiedererkennbar von Tag zu Tag... Mehr

  • DEC
    21
    von Abt Albert Dölken O.Praem.

    Am Anfang des Prämonstratenserordens stand das Kind in der Krippe

    Arm will Norbert von Xanten dem armen Christus nachfolgen. Und in seinen Fußstapfen haben es unzählbare Frauen und Männer bis heute ebenfalls getan… Mehr

  • DEC
    14
    von Sr. Pia Elisabeth Hellrung SMMP

    Botschaft der Kerzen

    Vor 25 Jahren bewegte sich nach dem Friedengebet ein Lichtermeer durch die Stadt, hinter den Fenstern der Häuser brannten Kerzen... Mehr

  • DEC
    08
    von Sr. Simone Weber ADJC

    Advent - Sehnsucht

    Gibt es etwas Schöneres und Erfüllenderes als so in dieser Welt des Göttlichen zu leben – schon hier und jetzt und heute... Mehr

  • NOV
    30
    von Sr. Maria Georg Loos cps

    Folget dem Stern

    Brecht auf, macht euch auf den Weg, sucht nach dem, woran euer Herz hängt... Mehr

  • NOV
    23
    von Sr. Katharina Kluitmann OSF

    Wer hat das Sagen?

    Wer das Sagen hat in dieser Welt und Zeit, das liegt auch an mir - an diesem Christ-Königs-Fest und darüber hinaus. Mehr