Kolumne

  • 24.04.2016   |  von Sr. M. Bernadette Bargel OSC

    Barmherzigkeit

    Denn in ihm hat er uns erwählt  

    vor der Erschaffung der Welt,

    damit wir heilig und untadelig  

    leben vor Gott.

    Eph 1,3

    Alle Menschen stammen aus der schöpferischen Liebe Gottes. Als sein Abbild entlässt er uns in die Zeit, in das Leben, in die Freiheit (vgl. Gen 1,26). Diese Achtung vor der Freiheit des Menschen kommt sehr stark in dem Gleichnis von den beiden Söhnen und dem barmherzigen Vater ( Lk 15,1-3.11-32) zum Ausdruck. Darin stoßen Liebe, Vertrauen, missbrauchte Freiheit und starre Pflichterfüllung aufeinander.

    Der jüngere Sohn verlässt - mit seinem Erbteil ausgestattet - das Vaterhaus und zieht in die Fremde. Er verspielt und verschleudert sein Erbe. Erst als er ganz am Ende ist, besinnt und erinnert er sich an den Vater. Die Sehnsucht nach Vergebung, Ansehen und Liebe treibt ihn an. Zerlumpt, ausgehungert und würdelos kommt er zurück. Gott machte den Menschen als sein Abbild. Der heimkehrende Sohn sagte: "Mach mich zu einem deiner Knechte." Gott schenkt die Würde zurück. "Er verzichtet auf kein Leben, das nicht von sich aus auf den Herrn verzichtet und von ihm sich scheidet" (Alfred Delp). So wie der Vater im Gleichnis hält Gott Ausschau nach uns. Was auch war, er erkennt uns und nimmt uns an. Gott ist die Liebe, darauf können wir uns verlassen und daraus erwächst die tiefe Zuversicht. Vielleicht hat der jüngere Sohn mehr von dieser Barmherzigkeit des Vaters erahnt und in sich aufgenommen als der ältere. Dieser war immer beim Vater und doch begriff er nie dieses Geschenk der Liebe und Freiheit. In ihm war die Leidenschaft zum Leben gestorben, er versuchte mit Leidenschaft sein Leben verkümmern zu lassen und schaffte sich so seine Leiden: Misstrauen, Missgunst, Neid und Verachtung.

    Gott erwählt uns immer wieder neu. In der Haltung der liebenden Antwort können auch wir Ausschau halten nach jedem/jeder, der/die aus der Fremde heimkehrt, die Türen öffnen, füreinander Verständnis haben und dem Fremden, dem Heimatlosen in Ehrfurcht zu begegnen

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