20.12.2018

Ordenskorrespondenz 4/2018 erschienen

Eine Ausgabe der Ordenskorrespondenz mit dem Schwerpunktthema „Gebet“ – bedeutet das nicht so viel wie „Eulen nach Athen tragen“? Schließlich wird die Zeitschrift überwiegend von Ordensleuten gelesen und das Gebet gehört gleichsam zur „Ordens-DNA“. Aber gerade weil das Gebet untrennbar und zentral zur Existenz des geweihten Lebens gehört, scheint die Reflexion hierüber immer wieder neu angebracht, um nicht im Alltäglichen und Gewohnten verloren zu gehen. 

Die Autorinnen und Autoren nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an, biblisch (Sr. Jusina Metzdorf OSB), mit Blick auf die liturgischen Zeiten im klösterlichen Tagesablauf (Br. Thomas Quartier OSB, Sr. Mechthild Kotulla SSpSAp) oder sehr persönlich, existentiell (P. Ralf Huning SVD, Wunibald Müller). Beten gehört – wie etwa auch künstlerisches Tun – zu den grundlegenden Lebensvollzügen des Menschen, die ihn als Menschen auszeichnen. Daher stellt sich immer wieder neu auch die Frage: „Kann man beten lernen oder einüben?“ Sr. Ancilla Röttger OSC, P. Franz Meures SJ und Peter Dyckhoff gehen dem auf je eigene Weise nach. Ob das Vertrauen in die Kraft des (Bitt-)Gebetes überhaupt gerechtfertigt sein kann, fragen Anselm John und Michael Maaß in einem weiteren Beitrag. Oft ist in den Beiträgen ein reflektiertes, aber vorsichtiges Herantasten an das Thema zu erkennen. Das ist kein Wunder angesichts des unaussprechlichen Mysteriums, dem sich das suchende Herz des Betenden nähern möchte.

Augustinus von Hippo lehrte, dass es „keineswegs tadelnswert und nutzlos“ sei, viel Zeit im Gebet zu verbringen. Er fügte aber hinzu: „ …sofern nicht andere pflichtmäßige Arbeiten dabei zu kurz kommen“ (s. S. 416). Damit weist er auf die unausweichliche Spannung von Kontemplation und Aktion, von „Beten und Arbeiten“ hin. Viele Ordensleute erleben sich angesichts ihrer Aufgabenfülle dieser Spannung ausgesetzt und suchen nach „Kontemplation in der Aktion“. Nicht wenige nutzen, wenn sie etwa von einem Termin zum nächsten eilen, die Fahrt im ICE, um zu beten. Damit reihen sie sich ein in eine alte Tradition stressgeplagter Ordensleute: Schließlich versuchte auch schon Bernhard von Clairvaux, „mitten im schlimmsten Trubel Muße“ zu finden.

Neben dem Schwerpunktthema bietet diese Ausgabe eine ausführliche Orientierungshilfe von Sr. Scholastika Häring OSB zur Instruktion „Cor Orans“ der Religiosenkongregation vom Mai dieses Jahres. Außerdem dokumentieren wir den dritten und letzten Teil des von der DOK in Auftrag gegebenen Gutachtens des Rechtswissenschaftlers Rainer Hüttemann zu steuerrechtlichen Fragen bei Ordensgestellungsverträgen.

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