01.04.2018

Hier in Marxloh

von Sr. Ursula Preußer

Marxloh ist ein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle. Ich mag die Bodenständigkeit und Direktheit der Leute, die kulturelle Vielfalt. Auf der anderen Seite sind die sozialen Probleme und die Armut nicht wegzuleugnen.  Ein  Aspekt von Armut gewinnt für mich immer mehr an Bedeutung, die Frage nach Heimat.

Etwa 80% der Bevölkerung Marxlohs hat einen Migrationshintergrund. Bei vielen Menschen ist ein Gefühl von Heimatverlust zu spüren, auch und gerade bei den alteingesessenen Marxlohern. Sie trauern um das Marxloh ihrer Jugend, als es noch mehr deutsche Geschäfte gab und die Leute Arbeit hatten. Mit den Kirchenschließungen ging für viele auch ein spirituelles Zuhause verloren. Bei  den Migranten der zweiten und dritten Generation ist die Frage von Identität und Zugehörigkeit ein wichtiges Thema. Das Gefühl der Fremdheit und des Sich-nicht-zu-Hause-fühlens macht Menschen einsam, oder es führt zu aggressivem Verhalten und dem Aufbau von Feindbildern.

Am Petershof, einer Art Stadtteil-Kirche im Zentrum von Marxloh, wollen wir dem etwas entgegensetzen. Praktische Hilfe ist das eine. Genauso wichtig ist es, die Menschen, die hier leben, zusammenzubringen. Jeder braucht das Gefühl, gesehen zu werden, einen Platz zu haben, etwas beizutragen.

Unser Team spiegelt die Vielfalt des Stadtteils: Einige von uns kamen ursprünglich als Klienten zum Petershof. Sie fühlten sich akzeptiert, entdeckten, dass sie etwas tun können, und sind geblieben, um sich zu engagieren. Der Petershof bietet eine Vielzahl von Angeboten: Sozialberatung, Mittagstisch, Kleiderstube, Deutschkurse,  Kinderfreizeit, Bienengarten, Box-Club… Es wird viel ausprobiert; nicht alles funktioniert. Aber das Miteinander von alten Damen aus der Gemeinde, jungen Straftätern, die ihre Sozialstunden ableisten, engagierten Marxlohern ohne religiösen Bezug und Flüchtlingen jeder Religion und Herkunft klappt erstaunlich gut.

In Duisburg gilt der Petershof als „Etwas Besonderes“, und das liegt vermutlich nicht so sehr an unseren Hilfsangeboten, sondern an dem Stückchen Heimat, das hier wächst.

Das Bild wurde von der Gemeinschaft am Tag nach der Antrittsrede des neuen Innenministers aufgenommen.