08.04.2018

Ostern ist vorbei

von Sr. Dominika Kinder

Mit dem Weißen Sonntag endet die Osteroktav und vielleicht fragt sich da der eine oder andere: „Was hat mir das Fest gebracht?“

Aber, muss es etwas bringen? Sollen wir nicht einfach nur feiern, ohne nach einem Nutzen zu fragen?

Ja und Nein, denke ich. Natürlich geht es bei einem Fest nicht nur um Nutzen, um Gewinn. Andererseits hat uns Gott das Fest seiner Auferstehung nicht geschenkt, damit wir mehr oder weniger distanziert - wie bei der Hochzeit eines befreundeten Paare - an der Freude teilnehmen, die aber nicht unsere eigene ist.

In der Liturgie der Ostkirche hören die Gläubigen die Aufforderung: „Lasst euch durchwirken von Christus, dem österlichen Sieger!“ Es ist die Aufforderung, Jesus nach seinem Sieg über den Tod zu erlauben, dass er „Hand an uns zu legt“, um in uns neues Leben zu bewirken. Er soll es in uns hineinkneten, wie die Hausfrau die Zutaten in den Teig knetet, damit das Gebäck bekömmlich wird. „Durchwirken“ erinnert auch an die Tätigkeit des Physiotherapeuten bei der Massage. Mit Salben oder Ölen durchwirkt, durchknetet er unsere Muskulatur, damit sich die Verhärtungen und Verspannungen lösen. Obwohl das schmerzhaft sein kann, wissen wir doch alle, wie wohltuend das Ergebnis ist. Wir fühlen uns, so sagen wir, „wie neugeboren“.

Das ist ein Bild dafür, wie es werden kann, wenn wir uns von Christus „durchwirken“ lassen. Sein österlicher Sieg soll wie kostbares, heilendes Öl durch alle Poren bis in unseren innersten Kern eindringen. „Die Kraft seiner Auferstehung“ darf nicht an der Oberfläche bleiben. Nur wenn sie die Tiefe unserer Existenz erreicht, wirklich in unser Herz mit allen Gefühlen und Gedanken eindringt, werden sich unsere Verspannungen und Verhärtungen lösen. Wir werden froh und frei, erfüllt von neuer Lebenskraft und Mut.

Um das zu versinnbilden, werden in der Ostkirche die Gläubigen zu Ostern mit Rosenöl gesegnet. Mit einem in das Öl getauchten kleinen Pinsel macht der Priester am Ende des Gottesdienstes den Gläubigen ein Kreuz auf die Stirn.

Wenn wir auf die Frage: „Was hat uns Ostern 2018 gebracht?“ antworten müssten: „Wir haben schön gefeiert!“, dann wäre das wohl zu wenig. Weil uns aber in jeder Eucharistiefeier der „österliche Sieger“ begegnet, müssen wir nicht bis zum nächsten Jahr warten, um der Aufforderung „Lasst euch durchwirken von Christus, dem österlichen Sieger!“ Folge zu leisten.