14.10.2018

Unterschiedlich und doch gleich

von P. Bruno Robeck OCist

In unserem Kloster begegnet man den unterschiedlichsten Menschen. Weder wir Mönche noch die Bewohner unserer Sozialeinrichtung „Netzwerk Mensch“ gehören zu einer alltäglichen Gruppe unserer Gesellschaft. Die vielen Gäste, die zu uns kommen, sind auch sehr verschieden. Wie unterschiedlich und doch gleichzeitig im Innersten gleich wir alle sind, fiel durch einen Gast auf, der bei uns seine Bilder ausstellte. Die dunkelhäutigen Gesichter und die kräftigen Farben, wie die Afrikaner sie lieben, fallen auf. Kein Wunder, denn der Künstler stammt aus dem Senegal.

In seinen Kunstwerken wirft der Maler Taha Diakhate Fragen auf, die jeden Menschen umtreiben: wie kann der Mensch sich selbst verstehen? Wie kann er mit anderen in Kontakt treten? Am deutlichsten zeigen seine abstrakten Bilder, dass wir dieselben Fragen stellen und im tiefsten Innern dieselben Antworten finden. Wer nur sein Bild "Herz" betrachtet, wird davon schwerlich die Herkunft des Künstlers ableiten können.

Taha Diakhate, "Herz"

Und noch etwas kann man aus den Bildern Diakhates nicht ableiten: seinen Glauben. Er ist zweifelsfrei da, weil der Künstler aus ihm lebt, aber er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern er ist das "Hintergrundprogramm", das den Künstler zu seinem Schaffen befähigt. Welche Religion hat der Künstler? Aus seinen Bildern lässt sich viel Menschliches ableiten, aber eine klare Religionszugehörigkeit lässt sich nicht herausdestillieren. Wen die Bilder von Taha Diakhate ansprechen und wem die Bilder etwas sagen, der wird vielleicht überrascht sein zu erfahren, dass er Muslim ist.

Die Bilder Diakhates haben uns im Kloster Langwaden erleben lassen, dass wir zwar unterschiedlich sind, dass wir aber gleichzeitig eine Basis haben, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen und Religionen in Kontakt zu treten, und dass uns trotz der unterschiedlichen Prägung durch Herkunft und Glauben viel verbindet.

Ich wünsche vielen Menschen in unserer heutigen Welt solche Erfahrungen und Begegnungen mit denen, die ihnen fremd scheinen und doch so seltsam nahe sind.

Bild im Header der Kolumne: Taha Diakhate, "Kommunikation"