21.10.2018

Wohin lenke ich meine Aufmerksamkeit?

von Sr. Angelique Keukens

Seit einigen Wochen machen einige Mitschwestern und ich Exerzitien im Alltag: Vierzehntägig gibt es einen 10-Minuten-Impuls und eine Übung vor dem Hintergrund von  „Prinzip und Fundament“  von Ignatius von Loyola:

„Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen, und mittels dessen seine Seele zu retten."

Mich fasziniert seit längerem die Wirkung der Aufmerksamkeitslenkung. Beim vorletzten Impuls war das Thema „die Wunderwerke Gottes“. Ganz konkret ging es um die Wolken. Es war ein spontaner Gedanke gewesen, die Wolken und den Himmel aufmerksamer betrachten zu wollen. Im Buch Hiob fand ich eine passende, wunderbare Bibelstelle zum Phänomen „Wolken“ (Hiob 37, 11-16). Die dazugehörige Übung war die einfache Einladung, jeden Tag, staunend wie ein Kind, eine Weile die Wolken am Himmel zu betrachten: ihre Formen, ihre Farben, wie die Art und Weise, wie sie vorbeiziehen…

Ein ganz alltägliches Phänomen wurde uns zum Objekt des Staunens, der Freude – weil wir unsere Aufmerksamkeit auf die Wolken und über die Wolken auf deren Schöpfer gelenkt haben. Vielleicht hat Gott die Idee gefallen, denn die Natur hat in den zwei darauffolgenden Wochen viele, unfassbar schöne Wolkenspiele am Himmel gezeigt. Mehrere Schwestern gaben die Rückmeldung, dass sie diese jetzt bewusst wahrgenommen und betrachtet haben.

Je öfter ich mir die Wolken anschaue, je geheimnisvoller sie mir werden. Sie kommen mir vor, wie ein Volk Gottes, das an mir vorbei zieht, einen Auftrag Gottes erfüllend, der mir unbekannt bleibt. Und jedes Wolkenspiel erweitert seitdem mein Staunen über die Größe und Unfassbarkeit Gottes. Eine Schwester fragte mich: „Wie kann man denn bei solchen Anblicken nicht an Gott glauben?“  Ich frage Sie!