11.11.2018

Begegnung auf Augenhöhe

von Br. Peter Berg

„Gib mir den Mantel, Martin, aber geh erst vom Sattel und lass Dein Schwert, wo es ist; gib mir den ganzen!“  (Ilse Aichinger)

Der 11.11. ist der Gedenktag des Heiligen Martin, eines großen Heiligen der Nächstenliebe. Wer kennt sie nicht die Szene der Mantelteilung. Doch gelebte Nächstenliebe ist eben keine halbe Sache, sondern fordert eine ganze und konkrete Entscheidung für einen Menschen.

Wir wollen auch selbst nicht mit einer halben Hilfeleistung abgespeist werden, die die Not nicht wirklich lindert, sondern verlängert.  

Vom hohen Ross herab und aus einer Haltung der Macht, können wir nicht wirklich helfen, denn die Begegnung auf Augenhöhe ist eine Grundlage für authentische Hilfe. Diese Hilfe beruht auch darauf, dass Menschen bereit sind zu teilen: Zeit, Kompetenz, Materielles, und Vieles mehr.

Und bei dem, dem die Hilfe zukommen soll, muss es mehr sein, als nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Der je halbe Mantel des Heiligen Martin reichte wohl aus, damit der Arme und Martin selbst sich ganz bedecken konnten, ihnen zum Ganzen werden konnte.

Das Beispiel des Heiligen Martin lädt uns immer wieder ein darüber nachzudenken, wie wir ganz persönlich mit unserer Hilfsbereitschaft unterwegs sind. Dies ist und bleibt ein Anspruch an uns als Christen.


*Unser Bild zeigt den Ausschnitt eines Kunstwerks - der Martins-Komposition - auf dem Eugen-Bolz-Platz in Rottenburg am Neckar.