13.01.2019

Aus dem Krieg ins Kloster

von Abt Albert Dölken OPraem

Am 13., 14. und 16. Januar wird des Heiligen Gottfried von Cappenberg gedacht. Dass es gleich drei verschiedene Gedenktage sind, mag verwundern. Zu erklären ist das mit der Angabe zu seinem Todestag: Er starb am Fest der Taufe des Herrn des Jahres 1127. Dies führte bei der Berechnung des Gedenktages im Bistum Münster, in den von ihm gegründeten Klöstern und in seinem Orden zu unterschiedlichen Ergebnissen. - Wer war er? Den größten Teil der gerade mal drei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte er als Graf Gottfried der Dritte im Pferdesattel auf Reisen, mit der Verwaltung der immensen Güter und Ländereien seiner Familie, der Cappenberger Grafen und mit dem militärischen Schutz seiner Untertanen. Die Cappenberger gehörten zu den reichsten und mächtigsten Adelshäusern ihrer Zeit. Gottfried war der Onkel Friedrich Barbarossas. Im auch kriegerisch ausgetragenen Konflikt mit dem Fürstbischof von Münster geriet der dortige Dom in Flammen und brannte nieder. Gottfried drohte die Reichsacht. In dieser prekären Lage begegnete ihm der Heilige Norbert von Xanten. In ihm fand Gottfried alle seine Ideale verwirklicht. Er nützte die Gelegenheit und übergab ihm am 31. Mai 1122 die Schlüssel zur Burg Cappenberg (heutiges Schloss Cappenberg, nördlich von Dortmund gelegen) und damit zu all seinen Gütern. Die Burg und manch andere Adelssitze wurden in Klöster umgewandelt. Gottfried und etliche seiner Familienangehörigen traten – nach einigen innerfamiliären Konflikten - in den jungen Orden des Heiligen Norbert ein. Die drohende Reichsacht war abgewandt, vor allem aber hatte Gottfried die Gelegenheit genutzt, seine persönlichen Lebensideale zu verwirklichen. - Worin bestanden diese? Junge Adlige des frühen 12. Jahrhunderts wie Norbert und Gottfried hatten erkannt, dass die großen Fragen ihrer Zeit und die zahlreichen Missstände in Kirche und Reich nach einer beherzten, vom Evangelium Jesu Christi ausgehenden Antwort geradezu schrien. Die Reformideen des Papstes Gregor spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Vom Kopf zu den Gliedern sollte sich die Christenheit erneuern. Erst die persönliche Bekehrung, der eigene beherzte Schritt in eine neue Lebensform, ganz orientiert am Leben der frühen Christen, der Urgemeinde zu Jerusalem und der frühen Missionare, das Leben nach dem Vorbild der apostolischen Zeit, der Zeit der Apostel, brachte den Durchbruch. Norbert hatte mit Hilfe des Bischofs Bartholomäus von Laon in Nordfrankreich eine neue Gemeinschaft gegründet, die ganz nach dem apostolischen Vorbild leben wollte: Verzicht auf privaten Besitz, arme, einfache Lebensführung, gemeinsames tägliches Gebet, Zusammenhalt in der Gemeinschaft, Verkündigung des Evangeliums. Nach dem Ort der Gründung, dem Tal von Prémontré wurden die Schwestern und Brüder des neuen Weges bald „Prämonstratenser“ genannt. Im Jahr 1120 hatten sie mit dem Bau ihres Klosters in Prémontré begonnen. Am Weihnachtsfest 1121 legten Sie die ersten Gelübde ab. Sehr schnell schlossen sich viele weitere Gemeinschaften an. Die Cappenberger Gründung ist die erste Prämonstratenser-Gründung östlich des Rheines. Das Kloster Cappenberg war in den ersten hundert Jahren seines Bestehens ein wichtiges Geistliches Zentrum mit Beziehungen und Ausstrahlungskraft in weit entlegene Orte, wie z.B. Westfriesland und die dort in dieser Zeit entstandenen Klöster. Gottfried selbst ist in seinem kurzen Leben dem Heiligen Norbert noch bis nach Magdeburg gefolgt. 1126 war Norbert dort Bischof geworden. Gerne hätte er Gottfried an seiner Seite gesehen. Aber auf der Rückreise starb Gottfried in einem seiner Klöster, in Ilbenstadt in der Wetterau. Zwei Jahrzehnte später hat sein Bruder Otto als Propst des Klosters Cappenberg die Gebeine Gottfrieds erhoben und die Reliquien unter den Klöstern Cappenberg und Ilbenstadt aufgeteilt. Zu diesem Zeitpunkt war der junge Orden bereits über ganz Europa verbreitet, ähnlich den Zisterziensern. Mit großer Feierlichkeit wird am Fest der Taufe des Herrn in Cappenberg und am ersten September-Sonntag in Ilbenstadt Jahr für Jahr des Stifters, Gründers und Heiligen gedacht. Der Rückblick in die Lebensgeschichte des Heiligen Gottfried und der frühen Prämonstratenser und der von ihnen ausgegangenen Reformimpulse lässt uns Heutige hoffen, dass es zu jeder Zeit von Gottes Heiligem Geist gewirkte Neuanfänge geben wird und gibt, dass die Kirche sich zu allen Zeiten selbst erneuern und bekehren wird.