24.02.2019

Wie viele seid ihr noch?

von Sr. Magdalena Löffler OSB

Wenn Gäste in unser Kloster kommen fragen sie oft: „Wie viele seid ihr noch?“ Das löst in mir oft ein Unbehagen aus, und ich meine ich müsste mich rechtfertigen. Woher kommt dieses Unbehagen? Muss ich mich denn rechtfertigen? Ich versuche „cool“ zu bleiben und beschreibe unsern Konvent mit jungen, alten, hochaltrigen und unsern vielen jungen internationalen Gast – Schwestern. Was sagen überhaupt Zahlen und Statistiken und was bedeuten sie. Stets begangen die Anfänge einer Gemeinschaft ganz klein, wuchsen schnell, übernahmen viele Aufgaben, wurden zu großen Kongregationen, sodass die Gefahr der Entpersönlichung schnell gegeben war. Viele Schwestern und Brüder identifizierten sich oft nur über das Pflichtgebet und die Arbeit. Diese Art der Klöster ist wohl zu Recht fragwürdig geworden. Das zeigt uns die Entwicklung in Europa. Viele Aufgaben, die früher nur von Klöstern wahrgenommen wurden, sind längst in andere Hände übergegangen. Auch bedeutet ein Ordenseintritt im Gegensatz zu früheren Zeiten keinen sozialen Aufstieg mehr, ganz im Gegenteil. Diese Tatsachen veranlassen uns tiefer nachzudenken, worauf es ankommt: letztlich auf die radikale Nachfolge Jesu. Auch Jesus beruft jeden einzeln und überlässt die freie Entscheidung wie ich ihm folgen will. Die Angebote und Möglichkeiten werden vielfältiger und gleichwertiger. Es wird immer Gemeinschaftsleben, Eremitendasein, Partnerschaften, Familien und Singles geben. Dennoch wird das Leben in Gemeinschaft seine Attraktivität und seinen Wert behalten. Für mich ist es die Erfahrung gemeinsam gelebten Glaubens. Daher sollten wir uns von Zahlen nicht so sehr bestimmen lassen, sondern mehr im „Jetzt“ und in der Freude des Augenblicks mutig unsern Weg gehen.

Dabei  brachte mich folgendes Cartoon mit Charly Brown, dem Jungen mit dem großen Kopf und Snoopy, dem Hund mit den Schlappohren zum Schmunzeln. Diese beiden sitzen am Ende eines Stegs am Wasser und schauen in die Ferne. Charly sagt leicht melancholischEines Tages werden wir alle sterben, Snoopy.“ Und Snoopy antwortet: „Wie wahr, aber an allen anderen nicht.“


Diese versteckte Einladung zur Lebensfreude könnte eine Gemeinschaft vermitteln. Und eine Gemeinschaft ist lebendig und stark, wenn Jesus Christus die Mitte ist. So brauchen wir Mut und Kreativität, einander zu dienen und geben Jesu Liebe weiter.