17.03.2019

Suchen und Fragen

„Ahmt auch ihr mich nach, Brüder und Schwestern, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt.“ Diese Aufforderung des hl. Paulus hören wir in der 2. Lesung an diesem Sonntag (Phil 3,17). Das klingt nicht gerade bescheiden und es passt auch nicht recht zu dem, was die Stimme aus der Wolke im heutigen Evangelium zu den drei Jüngern sagt, die auf dem Berg die Verklärung Jesus miterlebt hatten. „Auf ihn sollt ihr hören!“ sagte die Stimme, auf ihn allein, nicht mehr auf Mose und Elija und schon gar nicht auf  sonst irgendwelche Leute. Lukas betont damit die Einzigartigkeit, Endgültigkeit und Unüberbietbarkeit der Offenbarung Gottes in dem Menschen Jesus von Nazareth.

Davon ist natürlich auch Paulus überzeugt und dennoch stellt er sich der Gemeinde in Philippi als nachahmenswertes Beispiel vor Augen. Aber mit seiner Aufforderung steht er dennoch nicht in Widerspruch zur Stimme aus der Wolke, denn er will, dass man ihn nachahmt in seinem Bemühen „der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus nachzujagen“ (3,14). Er weiß sehr wohl, dass er nicht ein Vorbild für die Gemeinde ist, weil er die „Glaubensgerechtigkeit“ schon in der Hand hat, sondern weil Christus auf ihn die Hand gelegt hat.  Er will nicht als Vollendeter Vorbild sein, sondern als einer, der die Vollendung sucht (3,12).

An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob und wie wir denn Vorbild sein möchten und sein können. Und dies vor allem mit Blick auf die Pflicht zur Berufungspastoral. Ich bin sicher, dass in der Regel bzw. den Satzungen jeder Ordensgemeinschaft diese Pflicht in irgendeiner Weise verankert ist. Jedes Mitglied der Gemeinschaft ist für das – auch zahlenmäßige - Wachstum der Gemeinschaft mit verantwortlich.

Trauen wir uns zu, zu einem jungen Menschen zu sagen: „ahmt mich nach“? was ja in unserem Fall heißen würde: „geh ins Kloster“?  Wenn wir das nach Art des hl. Paulus tun, dann müssen wir uns als Suchende präsentieren, müssen glaubhaft zeigen, dass auch wir nicht den Stein der Weisen gefunden haben. Das ist nicht leicht, denn Suchen und Fragen gilt heute mehr denn je als Zeichen der Schwäche. Aber zu dieser Schwäche sollten wir als sichtbare Vertreter der Kirche stehen. Denn wir sind damit Zeugen für den, auf den allein es sich zu hören lohnt, weil nur  er die Antwort auf alle Fragen ist. So wie es Kardinal Meisner 1983 auf dem Katholikentreffen in Dresden gesagt hat: „Wir kennen nicht die Lösung für alle Fragen, aber wir kennen den Erlöser!“