24.03.2019

Und das WORT ist Fleisch geworden

von P. Ulrich Dobhan OCD

In dieser Woche feiern wir das Fest der Ankündigung des Herrn – Maria empfängt vom Engel die Frohe Botschaft, dass sie die Mutter Jesu werden soll. Auf dieser wunderbaren Darstellung der Ankündigung des Herrn am Nordportal der Marienkapelle in Würzburg wird sehr plastisch dargestellt, dass der Glaube vom Hören kommt: Ein Schlauch geht vom Mund Gott Vaters direkt ans Ohr Marias und das WORT – in der Gestalt eines kleinen auf dem Schlauch rutschenden Kindes – gelangt in Maria hinein und nimmt in ihr Fleisch an: Das WORT wird Fleisch!

Das Hören auf das Wort Gottes begleitet die Menschen in der Bibel von Anfang an: „Höre Israel“ (Dtn 6,4); aber auch die individuelle Aufforderung zu hören, wie beim jungen Samuel (1 Sam 3,9), oder „Höret auf meine Stimme, gebt acht“ (Jes 28,23) und auch Jesu Frage: „Habt ihr denn keine Ohren, um zu hören?“ (Mk 8,18) deuten auf die Wichtigkeit des Hörens hin. Wie aber können wir aus den vielen Worten das einzig wahre und richtige heraushören?

Johannes vom Kreuz hat in einem religiös aufgeheizten Klima eine eindeutige Antwort darauf gegeben, die angesichts so vieler frommer Botschaften und Offenbarungen sehr gut tut. Er lässt Gott Vater, der auf unserem Bild das WORT in Marias Ohr entlässt, sagen: „Wenn ich dir doch schon alles in meinem Wort, das mein Sohn ist, gesagt habe und kein anderes mehr habe, was könnte ich dir dann jetzt noch antworten oder offenbaren, was mehr wäre als dieses? Richte deine Augen allein auf ihn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst. Du bittest nämlich um innere Ansprachen und Offenbarungen über Teilbereiche, doch wenn du deine Augen auf ihn richtest, wirst du es im Ganzen finden, denn er ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung. … Wenn du möchtest, dass ich dir mit einem Trostwort antworte, dann schau auf meinen Sohn, mir ergeben und aus Liebe zu mir hingegeben und gepeinigt, und du wirst sehen, wie viel er dir antwortet. Wenn du möchtest, dass ich dir manches verborgene Schalten und Walten erkläre, dann richte deine Augen allein auf ihn, und du wirst die verborgensten Geheimnisse und Weisheit und Wunder Gottes finden, die in ihm verschlossen sind.“ (Aufstieg auf den Berg Karmel, 2. Buch, 22,5f.)