07.04.2019

Spannungsreiche und spannende Zeiten

von Sr. Katharina Hemmers OP

Da lese ich es wieder, das viel diskutierte Wort von der „Entweltlichung“. In einem Artikel auf „katholisch.de“ zitiert Kardinal Woelki diesen Begriff, den auch Papst Benedikt XI. benutzte.

Als aufmerksame Leserin der Artikel dieser bischöflichen Internetseite werde ich stutzig. Ich sehe, dass  in der Kirche dieselben Kräfte ihre Stimme erheben, die auch den gesellschaftlichen und politischen Diskurs gestalten. Da lese ich in den Beiträgen den Wunsch nach Öffnung und Verwandlung, nach  einer überzeugenden Haltung und Sprache, in denen die Menschen sich und ihr Leben wiederfinden können. Daneben stehen die Beiträge derjenigen, die von der Sorge geleitet sind, wesentliche und kostbare Glaubensinhalte gingen verloren, weil es nicht in erster Linie um die tiefen und wunderbaren Geheimnisse unseres Glaubens geht, sondern um scheinbar eher sekundäre Fragen. Da lese ich aber auch, dass in der Kirche ein Machtkampf entbrannt ist darüber, wo und wer in der Kirche Entscheidungen treffen kann, wie hierarchisch oder demokratisch Kirche ihrem Wesen nach sein kann oder muss.

Darin erkenne ich wenig geistliche Distanz zum Machtkampf in Politik und Gesellschaft, die ja dieser Tage auch noch mit der Kirche um Einflussbereiche kämpft. Die Erfahrung aller Welt, dass es unterschiedliche Bedürfnislagen gibt, die Konflikte auslösen und um deren fruchtbare Beilegung gerungen werden muss, verschont auch die Kirche nicht. Die Zeit der Machtwörter von Einzelnen sind - Gott sei Dank - vorbei, auch wenn es im Menschen eine Sehnsucht nach dieser einfachen Klarheit zu geben scheint. Divergenzen erzeugen Spannungen, aber ohne sie erkennen wir unvollständig, nämlich immer nur unseren Teil. Ohne das Gegenteil fehlt mir Wichtiges, wenn auch Schwieriges und Mühsames. Das macht diese spannungsreiche Zeit so spannend und mit Hilfe des Heiligen Geistes hoffentlich auch fruchtbar: für mich, für unsere Kirche und für unsere wunderbare Welt, deren Teil wir sind.