14.04.2019

Mit-Leiden

von Sr. Rita-Maria Käß OSA

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Sie wird auch die Hohe, die Heilige, die Stille Woche genannt. Der Name kommt vom althochdeutschen "kara". Kara steht für Kummer und Trauer und das ist es, was Christen in dieser Woche bewegt, wenn sie dem Leiden und Sterben Jesu innerlich nachgehen.

Der Palmsonntag ist wie ein großes Tor, das diese Woche öffnet. Sie ist für mich wirklich eine besondere Woche. Jedes Jahr braucht sie meine persönliche Entscheidung. Ich muss mich ermutigen und motivieren, mit Jesus hinein zu gehen, nichts überspringen zu wollen und die Leidensgeschichte der Evangelisten aufmerksam zu hören.

Jeder Tag dieser Woche stellt uns andere Themen vor Augen. Es geht um Jubelrufe, die bald umschlagen in „Kreuzige ihn!“. Jesus erlebt Todesangst, wird verraten, es wird ein ungerechtes Urteil über ihn gesprochen, er wird bloßgestellt und seiner Würde beraubt. Er wird von seinen Freunden verlassen und erfährt grausame Misshandlungen und den Tod.

Aber diesem Leidensstrom in den Tagen der Karwoche entlang zieht sich noch ein anderer Strom: Kleine Gesten und Zeichen werden uns von Maria, der Mutter Jesu und anderen Frauen gezeigt. Die mutige Veronika, die Jesus ein Schweißtuch reicht, oder auch Simon, der das Kreuz tragen hilft. Lauter Gesten der Liebe, des Mitleidens, der Zuwendung, der Hilfe in allergrößter Not.

Jedes Mal berührt mich die Tatsache, dass heute Menschen so viel leiden und grausam mit ihnen umgegangen wird. P. Henri Boulad sagt: Wichtig ist, dass uns jedes Bild eines leidenden Wesens im tiefsten Grund unseres Seins trifft; auf diese Weise nehmen wir teil an der Passion Jesu. Jesus leidet auch heute in den geschundenen und ungerecht behandelten Schwestern und Brüder.

Die Leiden heute, in meiner Umgebung und weltweit - das sind an Krebs erkrankte Menschen, Flüchtlinge ohne Bleibechance, einsame Alte und Sterbende, hungernde Menschen - berühren sie mich? Zerreißen sie mir manchmal das Herz?

Es ist besser, ein verwundetes Herz zu haben als Hornhaut auf der Seele.

Zieh mich an deine Seite, Jesus,

zu den Niedrigen, den Erniedrigten,

zu denen ganz unten, dort wo du bist.

Zieh mich an deine Seite, Herr.

Lass mich mit deinen Augen sehen,

was in der welt geschieht.

Was Menschen denken, fühlen,

was sie im Innersten bewegt.

Was Menschen leiden,

wie ich mit ihnen leiden könnte.

Zieh mich ganz nah zu dir, mein Bruder,

gib meinem Leben Perspektive,

deine Perspektive,

den wahren Blick -

wer ich wirklich bin

und wo ich stehe, stehen sollte.

Danke, Jesus, für deine Perspektive.

Danke

für jeden Augen-Blick deiner Liebe.

(Theo Schmidkonz)