02.06.2019

Gott erfahren

von P. Heinz Lau SCJ

Kürzlich fand ich in der geistlichen Lesung einen Satz, der mich innerlich getroffen hat und mich seitdem ständig begleitet: „Erklärungen sind kein Ersatz für Erfahrungen.“ Ich habe Gott zu sehr im Kopf, im Denken: „gedachter Gott“; das schafft in mir zu viel Suche, Kritik, Rationalität.

Ich selbst als Ordensmann erkläre viel (Studienbegleitung, Vorträge, Predigten, Katechese usw.). Ich suche nach Orten der Erfahrungen Gottes und beschäftige mit der Bibel, der Kirchengeschichte und mit mir selbst.

1.     Erfahrungen Gottes In der Bibel

a.       Abraham – Der alte, kinderlose Abraham unter dem nächtlichen Sternenhimmel

b.       Jakob – am Jabbokfluss in der Nacht und die Schau der Himmelsleiter

c.       Mose – der brennende Dornenbusch und Jahwe – „Ich bin da, der ich da bin“

d.       Elija – nicht im Sturm, im Gewitter, im Erdbeben, sondern im leisen Säuseln

e.       Jesus Christus – im Jordan, auf dem Berg der Verklärung und die Stimme des Vaters

2.     Erfahrungen großer Vorbilder

a.       Paulus – seine Erfahrungen vor Damaskus

b.       Augustinus – die Kinderstimme aus dem Garten unter dem Feigenbaum

c.       Franziskus – vor dem Kreuz von San Damiano

d.       Blaise Pascal – das berühmte Memoria

e.       Andre Frossard – die einfachen betenden Frauen in der Kirche beim Gottesdienst

f.        Simone Weil – bei einer Prozession einfacher Menschen in Portugal

3.    Bei mir selbst, wo ich ergreifende Erfahrungen mache

a.       Momente der Ergriffenheit – Augenblicke, wo Gott mich packt, ich werde umgekrempelt

b.       Staunen und Aufmerksamkeit –  ich werde still, beobachte aufmerksam, nehme staunend wahr

c.       Mysterium facinosum – meine  innere Haltung, einfach fasziniert zu sein

d.       Mysterium tremendum – Momente, wo ich erschüttert bin, Gänsehaut bekomme

Ich lege meine Eigenmächtigkeit ab, lasse Gottes Wirken zu. Die Zusage Jesu trägt mich: Ich bin bei euch alle Tage!