09.06.2019

Der Geist weht, wo er will - Ostsee statt Südsee

von Sr. M. Elisabeth Büning

Anlässlich unseres Jubiläumsjahres - 100 Jahre Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens - machten sich Mitte Mai dreißig Schwestern unserer Ordensgemeinschaft auf den Weg nach Frankreich.

Ziel der Reise war Lyon. Dort waren zwischen 1912 und 1914 einige junge Frauen aus dem Emsland bei den Maristen-Missionsschwestern in Lyon eingetreten. Ihr Ziel war eine Missionstätigkeit in der Inselwelt Ozeaniens. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden sie wegen ihrer deutschen Staatsangehörigkeit interniert und im Jahr darauf ausgewiesen. Sie kehrten in ihre Heimat zurück, blieben aber als Gruppe zusammen. Alle Bemühungen um eine Rückkehr nach Lyon blieben erfolglos.

Der Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, bat darauf den Generaloberen der Maristen in Lyon, die jungen Schwestern freizugeben, um eine neue Diözesankongregation für Diaspora und Mission zu gründen. Sechs junge Schwestern waren am 25.März 1920 bereit zu diesem Neubeginn.

Es war nicht leicht für die Schwestern, die Gemeinschaft in Frankreich zu verlassen. Keine wusste, wie die Zukunft aussehen würde. Mit der Gründung der neuen Gemeinschaft änderte sich auch das Ziel ihrer Missionsarbeit: Statt nach Ozeanien - an die Südsee - wurden sie nach Mecklenburg - an die Ostsee - gesandt. Statt Missionsarbeit unter Andersgläubigen erwartete sie die Erstkommunionvorbereitung für polnische Feldarbeiterkinder.

Heute, mehr als 100 Jahre später, wirken Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens in Deutschland, Schweden, Brasilien und Paraguay.

Auf unserer Reise nach Lyon besuchten wir nun die Ursprungsstätte unserer ersten Schwestern. Die Begegnung mit den Maristen-Missionsschwestern war ergreifend! Eine Teilnehmerin drückte es so aus: Wir waren einander unbekannt, aber keine Fremden. Wir feierten miteinander die Eucharistie und spürten, dass wir zusammen gehören.

Beide Kongregationen verbindet, dass sie dem Ruf Jesu Christi folgten, der uns aufruft, seinen Namen unter den Völkern bekannt zu machen.

Heute am Pfingstfest feiern wir die Ausgießung des Heiligen Geistes. Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: „Alle, die sich vom Geist leiten lassen, sind Söhne und Töchter Gottes“ – ob in der Inselwelt Ozeaniens oder an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns oder anderswo.