30.06.2019

Mariä Heimsuchung

von Sr. M. Ilga Dreier

In dieser Woche feiern wir mit der Kirche ein Fest, dessen Inhalt mich schon als Jugendliche fasziniert hat: Mariä Heimsuchung. In den inzwischen 35 Jahren meiner Zugehörigkeit zu einer der Kerngemeinschaften der Apostolischen Bewegung von Schönstatt öffneten sich mir immer neue Perspektiven auf das Festgeheimnis hin. Perspektiven, die auch meinem persönlichen Weg in der Nachfolge Jesu und seiner Mutter eine Richtung gaben.

Da beeindruckt mich z.B., dass Maria in ihrer Verkündigungsstunde keineswegs den Auftrag erhält, ihrer schon älteren Verwandten Elisabeth in den kommenden Monaten ihrer Schwangerschaft behilflich zu sein (vgl. Lk 1,36-37). Und doch macht sie sich auf den Weg, ungeachtet ihrer eigenen Situation. Wie feinhörig und einfühlsam muss sie gewesen sein, aus der Bemerkung des Engels den Hinweis herauszuhören, Elisabeth könne ihre Unterstützung benötigen. Welch eine liebende Beziehung zu Gott und starke innere Bereitschaft mag in ihr lebendig gewesen sein, auf seine leisesten Hinweise und Wünsche einzugehen. Wie frei muss sie innerlich gewesen sein, nicht zunächst nur auf sich selbst und ihre ganz und gar neue Lebenssituation zu schauen, sondern den Blick auf das Lebensschicksal ihrer Mitmenschen offen zu halten. Diese innere Freiheit ermöglicht es ihr, sich großherzig zu verschenken an diejenigen, die ihre Hilfe aktuell brauchen. Jetzt ist es die Frau, die ein Kind erwartet. Zielstrebig und freudig eilt sie von Nazareth nach Ain Karim. Ihr Weg führt über das Gebirge. Es könnte ein Bild sein für die Schwierigkeiten, Herausforderungen, Widerstände, die sich ihr entgegenstellen, und die diesen Weg zu einem echten Pilgerweg machen. Doch sie trägt auf diesem Weg Jesus, den Sohn Gottes, in ihrem Innern. Mit ihm meistert sie alle Herausforderungen des Weges. Nicht nur das, - sie wird gleichsam zur lebendigen Bundeslade, zur lebendigen Monstranz, die den Segen, ja den Segnenden selber bringt – damals zu Elisabeth, zu Zacharias, zu Johannes – heute zu all den Menschen, die sie mit ihrem Sohn im Zeichen des Pilgerheiligtums (www.pilgerheiligtum.de) einmal monatlich besucht. Maria, die Kirche in Person, macht sich auf den Weg in die Häuser und in den Alltag der Menschen. Die Pilgernde Gottesmutter von Schönstatt lässt „Mariä Heimsuchung“ heute erfahrbar werden!

(© Bild: Sr. M. Ilga Dreier)