21.07.2019

"Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt..."

von Sr. Hildegard Schreier

Vor einiger Zeit bin ich zufällig (?) über den Artikel 5 der UN-Deklaration der Allgemeinen Menschenrechte von 1948 gestolpert: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Bei Tisch sehe ich die drei jungen Frauen aus Eritrea, die zurzeit bei uns im Kirchenasyl leben.
Ich weiß von ihren schlimmen Geschichten. Sie haben Gewalt-Erfahrungen hinter sich, die davon erzählen, wie grausam Menschen andere behandeln können. Alles, was sie wollen, ist ein Leben in Sicherheit und mit Perspektiven für eine bessere Zukunft. Auf ihrer Suche nach ein bisschen Glück und Frieden sind sie in Deutschland gelandet. Sie sind liebenswert, hilfsbereit und hoch motiviert, etwas zu lernen und einmal eine Ausbildung machen zu können. Sie wünschen sich, als Mitmenschen anerkannt zu werden.
Sind wir im „christlichen Abendland“ wirklich nicht in der Lage, politische Lösungen zu finden, die diesen Personen und unserer Überzeugung von der Würde aller Menschen gerecht werden? Ich denke an Jesus, von dem das Wort überliefert ist: „Was ihr für eine/n dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan“ (Mt 25,45), und ich weiß: Wir Ordensleute werden gebraucht, um daran mitzuarbeiten, dass die Rede von der Würde jedes Menschen nicht zu einer bloßen Floskel verkommt.