08.09.2019

Maria 1.0 – 2.0 – 3.0

von Sr. Diethilde Bövingloh

Im September feiern wir Katholiken gleich mehrere Marienfeste, am 08.09 Maria Geburt, am 12.09. ihren Namenstag und am 15.09. das Gedächtnis der Schmerzen Mariens. Maria, die Mutter Jesu, prägt unser Christsein in besonderem Maße. Der Zugang zu ihr hat sich im Laufe der 2000-jährigen Geschichte öfter gewandelt, geblieben ist aber der Kern. Maria weist hin auf ihren Sohn: „Was er euch sagt, das tut.“ Ist das in heutiger Sprache Maria 1.0?

In der Stadt Münster, in der ich lebe, entstand vor einigen Monaten die Bewegung Maria 2.0. Kirchlich engagierte und verantwortungsvolle Frauen haben bewusst aus der Sicht der Frauen, der Maria, auf die Missstände in unserer Kirche aufmerksam gemacht. Das fand ein großes Echo, bis in die Abendnachrichten des Fernsehens. Offensichtlich hatten die Frauen aus der Gemeinde Heilig Kreuz den verletzten Nerv der Kirche und der Katholiken getroffen. Damit stehen sie in der Tradition der Gottesmutter Maria, die ihren Sohn auch auf die Not der Menschen aufmerksam machte. „Sie haben keinen Wein mehr.“ Diese Aktion der Münsteraner Frauen darf nicht an unseren Ordensgemeinschaften vorbeigehen, auch wenn wir uns nicht mit allen Aussagen und Zielen einverstanden erklären und sie gutheißen müssen. Auch wir haben den Auftrag, wie Maria auf die Not der Welt und der Menschen aufmerksam zu machen. Wir können im Gegensatz zu vielen anderen Frauen und Männern nichts verlieren, wenn unsere Ordensgmeinschaften hinter uns stehen.

Ich träume davon, dass wir Ordensleute Maria 3.0. aufrufen. Maria 3.0 könnte die Anfragen, Sorgen und Nöte der heutigen Zeit sorgsam wahrnehmen, sie mit ins Gebet nehmen und helfend zur Tat schreiten. Maria 3.0 das könnte, in Anlehnung an ein Wort des Münsteraner Theologen J.B. Metz, eine „Mystik der offenen (statt der nur geschlossenen) Augen“, eine „Mystik der tatkräftigen (statt der nur gefalteten) Hände“ zur Folge haben. Das könnte uns in eine „Mystik und (Kirchen-)Politik der Nachfolge“ führen.