15.09.2019

Mit anderen Augen

von Sr. Gratia Adler OSCO

Rosen erfreuen die Menschen in unseren Breitengraden monatelang. Auch im September blühen manche noch. Die Rose ist eine der symbolträchtigsten Blumen, steht sie doch per se für die Liebe. Maria, der Mutter Gottes, wird diese Blume ebenfalls zugeordnet. In der lauretanischen Litanei wird sie angesprochen mit „Du geheimnisvolle Rose“. In unserem Klostergarten habe ich diese obige Rose aufgenommen und erst beim Betrachten des Fotos entdeckt, wie wunderbar und unsymmetrisch sie sich entfaltet, wie das Spiel der Farben so vollkommen harmoniert. Eine Menge Bewegung und Dreidimensionalität existiert in diesem einfachen und eigentlich toten Bild. Man könnte meinen, so wird Licht geboren: wie in einem zarten Fächer voll Duft und Schönheit. Nicht nur im oft hektischen Leben, in Arbeit, Familie, digitalen Welten geht uns der Sinn für das Wesentliche leicht verloren, sondern auch im Kloster kann das geschehen.

Deshalb ist es erholsam, immer wieder einmal inne zu halten, in einer Betrachtung zu versinken und dann ein kurzes Dank- oder Stoßgebet zu verrichten. Und schon sieht man die Welt wieder mit anderen Augen.