27.10.2019

Vom Gott des Rechts

von P. Felix Rehbock OMI

„Hausangestellte – was seid ihr nach Meinung der Welt? … So nützlich eure Arbeiten sind, ihr werdet nur nach dem Wert eurer Arme eingeschätzt.“ Diese Worte stammen von unserem Ordensgründer Eugen von Mazenod. Ersetzen wir „Hausangestellte“ durch „Geringverdiener“, dann sind wir in der Realität von Menschen im Jahr 2019 angekommen, die von ihrem Erwerbseinkommen nicht leben können und zusätzliche Leistungen vom Staat erhalten müssen.

Ich bin überzeugt, dass der Einsatz für Arme für Glaubende immer aktuell ist. Im Buch Jesus Sirach wird Gott als „Gott des Rechts“ bezeichnet, der ein offenes Ohr für die Benachteiligten hat. Gott billigt sozial unhaltbare Situationen nicht, er wird den Ruf des Armen erhören. Diese Aussage hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Sich zu Gott zu bekennen, bedeutet immer auch die Herausforderung, sich für Benachteiligte und Unterdrückte einzusetzen. Dazu ist zuallererst nötig, Armut und Ungerechtigkeit überhaupt wahrzunehmen. Wer von uns kommt mit Armen wirklich in Kontakt, kennt ihre Sorgen und Nöte aus der persönlichen Begegnung? Die Wenigsten leben Tür an Tür mit Menschen in prekären Verhältnissen, führen Gespräche mit Migranten oder Wohnsitzlosen. Johannes Paul II. hat von einer „Zivilisation der Liebe, der Gerechtigkeit “ gesprochen, die es zu errichten gilt. Eine Zivilisation, die niemanden ausschließt. Wir können Missstände beklagen, wir können beten, dass es mehr Teilhabe und Solidarität auf der Welt gibt, vor allem aber müssen wir handeln.

Heute begeht die Kirche übrigens den Weltmissionssonntag. Ein Tag, der uns einlädt, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Die Forderung Jesu: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ ist an einem solchen Tag besonders drängend und immer noch aktuell. Sie ist ein Auftrag und keine Option, für die man sich entscheiden könnte oder eben nicht. Als Getaufte sind wir gesandt, allen Menschen von Gott zu erzählen, mit Worten und Taten. Gehen wir es an.

Foto: ArtTower/Pixabay