10.11.2019

Traurig und sorgenvoll?

von P. Egon Färber MSF

In den Alltagssorgen hilft mir das Vaterunser, vor allem der Lobpreis am Ende: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Dieser Lobpreis, der aus einer sehr alten Gebetstradition kommt, ist für mich so etwas wie ein Weckruf, nicht in meinen Sorgen hängen zu bleiben. Er findet sich schon im „ältesten Gebetbuch“ der Christen, in der Zwölfapostellehre (Didache). Diese frühchristliche Schrift dürfte etwa in den Jahren 100 bis 120 nach Christi Geburt verfasst worden sein. In ihr steht nach der letzten Vaterunser-Bitte ein Lobpreis Gottes, der fast wörtlich dem heutigen entspricht und so lautet: „Dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“  Wahrscheinlich hat dieser Lobpreis seine Wurzeln im Preislied, das uns im Buch der Chronik von König David überliefert ist (1 Chr 29,11), wo es heißt: „Dein, HERR, sind Größe und Kraft, Ruhm und Glanz und Hoheit; dein ist alles im Himmel und auf Erden. HERR, dein ist das Königtum.“


Aus dieser Glaubenstradition heraus sagt mir der Lobpreis, der heute dem Vaterunser hinzugefügt werden kann (Gotteslob 3.2): Als Herr des Himmels und der Erde hat Gott die Kraft und die Weisheit, meine Sorgen und Bitten besser zu verstehen, als ich es kann. Durch diesen Lobpreis wird das, was im Vaterunser in Form von Bitten gekleidet ist, zum Gegenstand der Anbetung. Bei der Anbetung aber dürfen meine Alltagssorgen eine Zeit lang außen stehen bleiben und warten. Sie werden nicht fortlaufen. Wenn ich zu meinen Pflichten zurückkehre, werden auch die Sorgen sich wieder melden. Ich möchte sie dann aber mit anderen Augen, aus der Perspektive Gottes anschauen in dem Bewusstsein: Mein Leben ruht in Gottes Hand. Er weiß um mich und meine Lebenswirklichkeit. Er steht mir bei und hilft mir, denn sein ist „das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“.