24.11.2019

November – nur ein trister Monat?

von Sr. M. Roswitha Heinrich OSF

Der Monat November wird oft verbunden mit nebeligen, trüben, nasskalten Tagen und er wird verknüpft mit Depressionen, Schwermut, Trübsinnigkeit…

Er ist gefärbt mit der „Energie“ des Loslassens, des Vergehens, was wir unmittelbar auch in der Natur beobachten können. Blätter fallen, Nebel zieht über das Land und die Natur bereitet sich auf eine Ruhepause vor.

Die Feste des „Totenmonats November“ mahnen uns, unsere Toten nicht zu vergessen und unseren eigenen Tod nicht zu verdrängen. Sie rufen in uns schmerzliche Erinnerungen an Menschen hervor, die uns viel bedeuteten und die wir loslassen mussten.

Ist nicht das Loslassen-Können eine der schwierigsten Haltungen in unserem Leben? Es gibt wohl keinen Tag, an dem uns nicht bestimmte Situationen, Ereignisse, persönliche Erfahrungen zum Loslassen zwingen.

Gerade der Monat November ist eine Zeit, uns mit der Haltung des Loslassens mehr zu beschäftigen, ja sie bewusst zu üben. Wir können hier von Jesus, der uns „Weg, Wahrheit und Leben“ ist, lernen.

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“, das ist das Jesus-Wort in der Reihe seiner sieben letzten Worte (Lk 23,46). „In deine Hände…“ Wir dürfen uns der Hand Gottes anvertrauen, denn wir sind Empfangene – aus Gottes Hand. Keine, keiner von uns hat sich selbst gemacht. In seiner Menschwerdung kommt Jesus uns entgegen und zeigt uns, worauf es ankommt: Wir dürfen und können uns, so wie ER, getrost Gott überlassen, uns der Hand Gottes anvertrauen, die uns weiter trägt und hält, auch über dunkle Stunden, über Einsamkeit, über Abgründe hindurch …

Aber können wir uns, kann ich mich loslassen, in diese Hände Gottes hinein? Können wir uns getrost IHM überlassen?

Jeden Tag in der Komplet beten wir „Herr auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben“. Jeden Tag bringen wir IHM unser Leben. Ich bringe das, was meine Hände tragen konnten, was nicht, wo sie versagten, was sie nicht vollenden konnten. Es ist hilfreich und auch entlastend, am Ende jeden Tages sagen zu können: „Herr, in deine Hände lege ich mein Leben“. Es ist eine Einübung ins Loslassen, in den Schlaf, ja ins Sterben.

Alle meine, unsere Tage liegen in SEINER Hand, und mehr brauchen wir am Ende eigentlich nicht zu wissen und zu tun als das: „Herr, in deine Hände lege ich mein Leben“.