09.02.2020

Salz der Erde? Licht der Welt?

Von Sr. Brigitte Werr OSU

Ein schönes Evangelium hören wir an diesem Sonntag: „Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt…“ (Mt 5,13ff). Jünger und Jüngerin Jesu zu sein, gibt Strahlkraft und Wohlgeschmack. Keine mühsame Sinnsuche, der Sinn wird mir geschenkt: „Ihr seid …“ Präsenz!

Es kann aber doch auch anstrengend sein, immer zu strahlen, immer „schmackhaft“ sein zu müssen, wenn die Erwartungen hoch sind - meine eigenen und die der anderen. Und womöglich wird es noch anstrengender, wenn das Alter mir die Aufgaben und die Kräfte nimmt! Was bin ich noch wert, wenn ich nichts mehr leisten kann? Manche meiner Mitschwestern fragen sich das. Nichts mehr mit „Strahlen“! Oder erst recht?

Gott liebt mich „vor jeder Leistung und trotz aller Schuld“ – wie es Paul M. Zulehner in seiner Fundamentalpastoral ausgedrückt. Ich kann gar nicht aus dieser Liebe fallen, sondern ich darf mich hineinfallen lassen. Und diese Liebe zu teilen, ist der letzte Sinn meines Lebens.

Es gibt wunderbare alte Mitschwestern, die einfach da sind und trotz ihrer Altersbeschwerden sehen, wie es mir (und anderen) heute geht und was einem gut tut. Sie haben losgelassen, stark und erfolgreich sein zu müssen.

Solange wir aktiv sind, werden wir an unserer Leistung gemessen. Natürlich möchte ich Sinnvolles tun, aber ich brauche es nicht, um geliebt zu werden, sondern tue es, weil ich geliebt bin. Es ist meine Antwort auf Gottes Liebe.

Die meisten unserer Ursulinenkonvente sind klein geworden und haben die „Werke“ längst abgegeben. Es ist ganz schön schwer, loszulassen – die Aufgabe und die Beachtung, die sie mir vermittelt. Was bleibt? Wir sind nicht die einzigen, die loslassen lernen müssen und die sich das fragen. Aber nicht alle wissen, dass sie trotzdem geliebt sind! Kürzlich fragte eine Mitarbeiterin: „Wenn die Ursulinen nicht mehr da sind, wer hält dann die Tür offen und wer hört dann zu?“ Die offene Tür und das offene Ohr – nicht mehr, aber auch nicht weniger! Wer in dieser Weise alt werden kann, ist Salz der Erde und Licht der Welt!