08.03.2020

Fasten einmal anders

von Sr. Veronika Mätzler

Dass die Zeit zwischen Fasching und Ostern eine Fastenzeit ist, wissen erstaunlicherweise nicht nur praktizierende Christen. Viele nehmen sich einen Fastenvorsatz vor: weniger Essen, nicht Rauchen, keinen Alkohol trinken etc.
Verzicht um der Figur willen?
Verzicht um der Gesundheit wegen?
Verzicht um mir selber oder anderen zu beweisen, wie konsequent und stark ich bin? 

Fasten ist mehr als verzichten von …'
Fasten ist verzichten für

Wer fastet, versucht, sein Leben zu entrümpeln, erstarrte Lebensgewohnheiten aufzubrechen, mehr Wert auf Entschleunigung zu legen, um herauszufinden, was oder wer letztlich mein Leben trägt. Doch dieses Fasten allein macht noch keine Fastenzeit. Vielmehr stellt Jesus das Fasten auf eine Ebene mit dem Gebet und der Nächstenliebe (Mt 6). Vielleicht deshalb, weil das Fasten mehr den Blick auf sich selber richtet, das Gebet aber Gott und die Nächstenliebe den Mitmenschen in den Blick nimmt.

So könnte ein anderes Fasten sein, mir eine Auszeit zu gönnen, zu entschleunigen, achtsam und einfach zu leben.

Ein anderes Fasten könnte sein, den Tag bewusst mit einem Gebet zu beginnen und all mein Denken, Reden und Tun sowie alle Begegnungen unter Gottes Segen zu stellen. Und abends den Tag nochmals anschauen und Gott danken, für alles, was gut war.

Fasten einmal anders könnte heißen, jemanden zu besuchen, der gerade einsam, krank oder traurig ist und ein offenes Ohr beim Zuhören zu haben. Oder einfach mal eine Blume oder sonst eine Aufmerksamkeit verschenken. Liebe macht erfinderisch.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine „leidenschaftliche Fastenzeit“, die uns zum Wesentlichen führt und in der wir nicht gelebt werden, sondern selber leben.