01.03.2020

Vielfalt bereichert!

von Br. Marinus Parzinger OFMCap

Valparaiso erlebte ich am Ende meiner Chilereise bunt und vielfältig wie das Land Chile selbst. Die 1 ½ Stunden von Santiago entfernte alte Hafenstadt habe sich, so ein Reiseführer, als kontrastgesättigte Kulturhauptstadt neu erfunden.

Auf den Hügeln reihen sich die Häuser in ihren kräftigen Farben. Die bunten Häuser verleihen Valparaiso einen lebensfrohen Charakter. So bunt und vielfältig ist unser Leben!

Ich erlebe Vielfalt bereichernd. Sie wurde für mich durch die Reisen der letzten Jahre zu einem Teil meines Lebensgefühls, zu einer hoffnungsvollen Perspektive im Miteinander von Menschen. Mich treibt die Frage um, wie wir heute zu einem guten Miteinander kommen. Denn klar ist, dass das Miteinander verschiedener Kulturen Voraussetzungen hat: Respekt vor der Würde jedes Menschen und die Bereitschaft, das Gemeinsame zu entdecken. Jeder Mensch trägt mit seiner Originalität etwas bei zum Ganzen.

Was in Hanau geschehen ist, hat mich tief erschüttert. „Als Christen glauben wir, dass alle Menschen – gleich welcher Religion, Nation, Kultur oder Sprache – Kinder Gottes sind.“ – so reagierte Kardinal Marx auf die Morde in Hanau.

Für Franz von Assisi war die Überzeugung wegweisend, dass Gott, der Vater, der Ursprung aller Menschen ist. Und er folgert: alle Menschen sind Geschwister.

Im Oktober letzten Jahres konnte ich an einer Fortbildung in Jerusalem teilnehmen, welche die Begegnung des hl. Franziskus mit dem Sultan im Jahr 1219 zum Gegenstand hatte. Darin ist der historische Hintergrund der Erklärung von Abu Dhabi zu sehen. Am 7. Februar 2019 haben der Großimam Ahmad Muhammad Al-Tayyeb, Rektor der islamischen Universität Kairo, und Papst Franziskus in Erinnerung an Damiette 1219 die historische Erklärung zur Geschwisterlichkeit aller Menschen unterzeichnet. Für mich ein zukunftsweisendes Signal. Was verbindet uns, was streben wir gemeinsam an, wo sind wir – wie Pilger – miteinander auf dem Weg?

Ich wünsche uns die Weite, wie sie Papst Benedikt 2011 beim vierten Weltgebetstreffen für den Frieden in Assisi formuliert hat: „Alle Kirchen und Religionen pilgern gemeinsam zu Wahrheit und Frieden! Keine besitzt diese!“