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15.03.2020

„Gib mir zu trinken“

von Sr. Karin Knötig

Die Begegnung Jesu mit der Frau am Jakobsbrunnen ist für mich eine Sehnsuchtsgeschichte.

Jesus sehnt sich nach uns Menschen. Er tritt in Kontakt mit uns, ohne Barrieren zu beachten.

So lädt er sich wie selbstverständlich bei der Samariterin ein - er möchte ihr Gast sein.

Neugierde lässt die Frau offen werden und sie beginnt ein Gespräch mit ihm. Jesus erzählt von dem, was ihn nährt. Im Zuhören entdeckt sie ihre eigene tiefe Sehnsucht nach dem „Quell des Lebens“. Mitten in diesem existenziellen Beziehungsgeschehen ändern sich die Rollen. Sie hat sich einladen lassen zuzuhören, ihr Gegenüber ernst zu nehmen und so in und durch Jesus den Gott zu erkennen, der allen ein Leben in Fülle verspricht. Mitten im Trott des Alltags begegnet sie Jesus und ihrer Ur-Sehnsucht.

Meine eigene Erfahrung, bei Gott und in der Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern Heimat gefunden zu haben, lud mich ein, erneut aufzubrechen und als Krankenschwester in ein anderes Missionsfeld zu gehen. Nun ist es meine Aufgabe, Geflüchtete in unser Gesundheitssystem einzuführen und ihnen bei Fragen und Schwierigkeiten im Umgang mit ihrer Gesundheit beratend zur Seite zu stehen. Dabei nehmen sie mich oft hinein in ihre je persönliche Geschichte und ihre Sehnsucht nach Ankommen und Heimat finden. Meine eigene Neugierde dem Fremden gegenüber lässt mich offen werden zu hören und fordert mich heraus, Neues und manch Fremdes anzunehmen. Dabei entdecke ich so viel an Menschlichem in ihren Fragen und Wünschen, was uns in der Tiefe verbindet. 

Dieses meist kurze, intensive Hinhören lässt mich erahnen, welche Schätze Menschen aus anderen Kulturen mitbringen. Diese Erfahrung hilft mir, meine eigenen Bewertungen in „besser“ und „schlechter“ los zu lassen. Denn in der gegenseitigen Wertschätzung eröffnet sich ein neuer innerer „Raum“, der unser gemeinsamer Raum ist. Hier begegnen wir uns von Mensch zu Mensch, hier steht das bloße Mensch-Sein im Vordergrund, das uns eint in unserer gemeinsamen Ur-Sehnsucht nach Gesundheit, Heilung, Beheimatung – nach einem Leben in Fülle.

So sind wir eingeladen, im Trott unseres Alltags damit zu rechnen, ‚Gast‘ von anderen Kulturen und Religionen zu werden und in der Begegnung mit ihnen, mit unserer je persönlichen Ur-Sehnsucht in Berührung zu kommen, uns gegenseitig anzunehmen und zu bereichern.