22.03.2020

Sehschulung

Von Sr. M. Ancilla Ernstberger

Der Sonntag „Laetare“ lenkt den Blick auf das sich nahende Osterfest und rückt die Freude in den Vordergrund. Aber die Freude hat es gegenwärtig schwer, sich Gehör zu verschaffen.

Dem eigenen Leben eine freudvolle Note zu verleihen, wie soll das in dieser mit Unheilsnachrichten übersäten Zeit mit „Corona-Schrecken“, neu aufgebrochener Katastrophe für flüchtende Menschen und parteipolitischen Entwicklungen in Europa gelingen – ganz zu schweigen von dem über uns wabernden Klimadebakel? Und bei all dem fordert dieser Sonntag auf, sich auf die Freude einzulassen, was für Menschen, die ihr Leben aus dem Evangelium gestalten wollen, keineswegs einfach ist, sind wir es doch in der Kirche, in den Klöstern schon längst gewohnt, in die allgemeine Weltuntergangsmelodie einzustimmen. Ein Text von Lothar Zenetti eignet sich, den Boden zu überprüfen, worauf die Freude gedeihen kann.

„Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.

Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer.

Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht.“

Wer sich auf Glauben, Hoffnung und Liebe einlässt, rechnet im konkreten Leben mit Gott und bleibt nicht bei den Hiobsbotschaften stehen. Das Evangelium vom Blindgeborenen zeigt, wie kurzsichtig die Beobachter sind, wie unverständig und vorwurfsvoll sie auf das heilsame Handeln Jesu reagieren und wie sie in ihrer Verblendung verharren. Sie sind nicht bereit umzudenken, eine andere Perspektive einzunehmen oder gar anders zu handeln.

Um jedoch weiter, tiefer und alles in einem anderen Licht zu sehen, lohnt es sich, über Vordergründiges kritisch nachzudenken und negativ eingeschätzten Dinge nachzugehen, was sie mir zu sagen haben, ohne in ein allgemeines Lamentieren einzustimmen. Damit mich die Osterfreude nicht überrascht, eignet sich der Sonntag „Laetare“, meine eigene Grundstimmung in den Blick zu nehmen und mich noch rechtzeitig an Jesu liebevollen Umgang mit mir und allen Menschen zu erinnern – auch und gerade jetzt, da die Uhren seit Ausbreitung des Corona-Virus anders ticken.