26.04.2020

Des anderen Wohl

Von Sr. Katharina Hemmers OP

Die Liebe weint mit den Weinenden, freut sich mit den Frohen, ist glücklicher über des anderen Wohl als über das eigene.“ So die hl. Katharina von Siena, 1347-1380, Kirchenlehrerin und Patronin Europas.

Am 29. April feiert die Kirche ihren Gedenktag. Wie konsequent ihr Leben war, lässt mich u.a. auch dieses Zitat ahnen. Die Reaktionen auf die aktuelle Situation zeigen uns derzeit nur überdeutlich, wie schwer es ist, solche Liebe zu leben. Eine Liebe, der es gelingt, den natürlichen Impuls des Menschen zu überwinden, zunächst für das eigene Überleben und das seiner primären Gruppe mit allen Mitteln zu sorgen. Statt Schutz und Überleben der eigenen Gruppe mit Grenzziehung, Verteilungs- und Machtkämpfen zu sichern, sucht und findet diese Liebe im Fremden, Unbekannten das Vertraute und Bekannte. Es ist eine Liebe, die erkennt, was uns als Menschen verbindend. Die Bilder dieser Tage zeigen etwas von dem, was uns verbindet: Wir weinen, wenn wir leiden und wir lachen, wenn wir uns freuen. Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, das, was uns als Mensch ausmacht, kann in unseren Herzen Widerhall finden, uns berühren und ungeachtet der eigenen Situation zur Hilfe animieren.

Ich kann mich an keine Zeit meines Lebens erinnern, die mich so sensibilisiert hat, für mein dickes Fell, meine diversen Egoismen, die vielen Knöpfe, die ich habe, um mein Mitgefühl in Grenzen zu halten, für meinen (gesunden?) Selbstschutz zu sorgen. Gut, dass es heilige Menschen gibt, die mir helfen, daran zu glauben, darauf zu vertrauen, dass Gott in mir Wege finden kann und will, Liebe zu entzünden. Eine Liebe, die es hoffentlich immer mal wieder schafft das Wohl des Anderen, auch auf meine Kosten, über mein eigenes Wohl zu stellen. So wünsche ich Europa, dass das Wohl von Nordeuropäern nicht wichtiger ist, als das von Südeuropäern und der Mensch, der jetzt Hilfe braucht nicht darauf warten muss, bis Gott auch das Herz des letzten Politikers mit der nötigen Liebe entzünden dufte.