09.08.2020

Herzensanliegen

Von Sr. M. Dominika Kinder CSSE

„Völkerfreundschaft“ war ein lautstark proklamiertes Bildungsziel in der DDR.  Deshalb musste es in jeder Kindertagesstätte auch „Negerpuppen“ geben.

Wegen der Kritik an dem kolonialistisch geprägten Missionsverständnis wurden die „Nickneger“, die in meiner Kindheit alljährlich an der Krippe standen, abgeschafft.

Um zu zeigen, dass die Regierung gegen jede Form von Rassismus ist, gab es in Berlin vor einigen Wochen die Idee, die U – Bahn Station „Mohrenstraße“ umzubenennen. Leider war der erste Vorschlag für einen neuen Namen etwas unerleuchtet, denn es stellte sich heraus, dass der Träger dieses Namens zwar ein großer Komponist, aber leider ein ebenso großer Antisemit war.

Rassismus ist eine böse Sache und daher sollten alle Bemühungen, dieser Bosheit ein Ende zu bereiten, von uns Christen unterstützt werden. Mir stellt sich aber doch die Frage, ob solche äußerlichen Maßnahmen dafür geeignet sind. Die Beschäftigung mit Äußerlichkeiten hat (leider) oft eine Alibifunktion, um sich nicht den eigentlichen Problemen stellen zu müssen.

Das eigentliche Problem ist der Mensch, sein Kopf, aber vor allem sein Herz. Das gilt für den Rassismus genauso wie für den Antisemitismus und alle anderen Formen der Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Darauf hat auch Jesus aufmerksam gemacht. Aus dem Herzen, sagt er, kommen die bösen Gedanken, die den Menschen verderben. Das, was ihn nur von außen berührt, macht ihn nicht unrein. Aber, und das sollte man immer mitbedenken, es kann ihn auch nicht rein machen.

Um den Rassismus in unserer Welt zurückzudrängen, ist es notwendig, das Herz des Menschen zu erreichen und zu heilen, damit das Böse, zu dem er aufgrund der ihm geschenkten Freiheit auch fähig ist, nicht in ihm wachsen und wuchern kann.

Die Anfänge dieses Bösen im Herzen, sind, wie wir alle wissen, oft sehr klein und unscheinbar. Es geht uns da wie dem kleinen Prinzen. Für seinen Planeten war es von existentieller Bedeutung, dass er die Sprösslinge der Affenbrotbäume, die denen der Rosen sehr ähnlich sind, schon im Frühstadium erkennt und ausreißt.

Was aber tun, wenn wir spüren und erkennen, dass die Kraft unseres Herzens für die Beseitigung selbst dieser kleinen Triebe nicht ausreicht? Das Angebot Jesu, uns dann der Kraft seines Herzens anzuvertrauen, gilt auch heute noch.

 Deshalb ist die Entscheidung des Erzbischofs von Berlin, das Erzbistum am 15. August d.J. öffentlich dem Herzen Jesu zu weihen, in unserer problemgeladenen Zeit eine durchaus passende Idee.

Foto: Wikimedia Commons

Das Foto zeigt den Spiegelslustturm in Marburg mit dem Elisabeth-Herz, das anlässlich des 800. Geburtstags der hl. Elisabeth angebracht wurde.