16.08.2020

Krone der Schöpfung

Von Sr. M. Tatjana Seeboth

Eigentlich hätten wir am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, wie jedes Jahr hier in der Schönstatt-Au, ein großes „Fest der Begegnung“ gefeiert. Doch coronabedingt war es anders. So geht das schon einige Monate und wird auch noch länger so gehen. COVID-19, das Corona-Virus, verändert. Eigentlich ein viel zu schöner Name für diesen Krankheitserreger, der uns fest im Griff hat. Wenn wir corona aus dem lateinischen übersetzen, dann heißt es Kranz oder Krone. Die Bilder, die uns das Virus vergrößert unter dem Mikroskop zeigen, sind allgegenwärtig.

Krone – das soll auch der Mensch sein, Krone der Schöpfung. Die Psalmen in der Bibel künden davon. In einem moderneren Glaubenslied heißt es im Blick auf Gott: „Er schuf aus Nichts das Leben, den Mensch als Frau und Mann: die Krone seiner Schöpfung. Ich glaube daran.“ (Markus Pytlik)

Glauben wir das wirklich? Und vor allem: Leben wir uns auch so?

Es geht um den Wert und die Würde des Menschen. Es geht um Achtung vor-einander und Verantwortung füreinander. Es braucht den liebevollen Blick für den Einzelnen neben mir, aber auch für das Ganze. Jetzt kommt es auf das wirklich Menschliche an, das, wozu Gott uns geschaffen hat. Wir wissen, dass Gott über allem steht und unser Schicksal und die ganze Welt in seinen guten Händen hält. Uns fällt „kein Zacken aus der Krone“, wenn wir ihm das immer wieder sagen und so leben. Das gilt nicht nur für die Corona-Zeit, aber da ganz besonders.

Einmal hat es ja richtig geklappt mit Gottes Plan für den Menschen. Maria wurde Mutter Gottes. In dieser Woche ehren wir sie besonders als Königin. „Wie die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist, so leuchtet sie auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn (vgl. 2 Petr 3,10) als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran.“ (Lumen gentium, 8,68)

Ja, sie ist wirklich die Krone der Schöpfung. Oft wird Maria dargestellt mit einer Krone oder einem Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie ist das große Zeichen am Himmel, das hineinstrahlt in unsere Zeit. Auf sie dürfen wir unsere Hoffnung setzen, wenn wir jeden Abend beim „Salve Regina“ zu ihr rufen:

„Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,

unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei gegrüßt!“