13.09.2020

Wer will schon gern eine Magd sein?

Von Sr. M. Andrea Walterbach

Kaum ein Bild ist mir so vertraut wie das Verkündigungsbild von Ruth Landmann in unserer Mutterhauskapelle. Ein Ausschnitt zeigt das Gesicht Marias. Sie wirkt aufmerksam, gesammelt, konzentriert, mit Leib und Seele gegenwärtig, erwartungsvoll hinhörend, mit ruhigem Blick in die Weite und zugleich nach innen schauend. So nimmt sie die Botschaft des Engels entgegen und antwortet darauf: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38).

Wer will schon gern eine Magd sein, die anderen dient und erledigt, was ihr aufgetragen wird. Unterwürfigkeit lehnen wir ab und möchten selbst den Ton angeben. Maria aber, diese junge unverheiratete Frau, bezeichnet sich selbst als Magd, als Dienerin, als Untergebene.

Ja, sie ist eine Magd, die Magd des Herrn. Ihm überlässt sie sich ganz und gar. Ihr Ja zu ihrem Auftrag und ihrer Berufung ist uneingeschränkt und bedingungslos. Sie hat die innere Freiheit, sich mit ihrem ganzen Leben zu binden und sich in den Dienst Gottes zu stellen. Weil er ihr Ein und Alles ist, überlässt sie sich ihm ganz. Ihre Bereitschaft zum Dienst für Gott ist die Konsequenz ihrer freien Entscheidung.

Wie viele Ordensfrauen tragen auch die Schwestern unserer Kongregation den Namen dieser jungen Frau, deren Wesen und Berufung es ist, ganz dem Willen Gottes entsprechend zu leben und ihn in ihrem Leben wirken zu lassen. Mit dem Eintritt in unsere Ordensgemeinschaft und mit der Ablegung der Profess haben wir – zwar nicht wörtlich, aber sinngemäß – den Wunsch und die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Auch wenn es manchen nicht zeitgemäß scheint, trage ich den Namen Maria mit Freude und trete noch immer gern in ihre Fußstapfen, auch als Dienerin und Magd.

Ob unsere Welt und unsere Kirche nicht ein anderes Gesicht zeigten, wenn wir Christen unser Leben noch viel mehr nach dem Beispiel Mariens gestalten würden?

Das Bild oben zeigt Ausschnitte aus dem Altarbild der Mutterhauskapelle der Missionsschwestern vom hl. Namen Mariens im Kloster Nette, wobei sich Sr. M. Andrea auf die Darstellung der Maria bezieht. ©Kloster Nette