20.09.2020

Zu schnell, zu langsam?

von Sr. Katharina Kluitmann

Zusammen + Weg = syn + hodos = Synode. Weil wir den Weg-Charakter unterstreichen, gehen wir einen „Synodalen Weg“.

Ja, wir gehen. Den einen zu schnell, anderen zu langsam. Den einen gehen wir zu weit, anderen nicht weit genug. So ist das beim Wandern. Aber es ist keine Wanderung. Es ist ein Exodus. Aufbruch in unbekanntes Land, ohne Wiederkehr. Egal, was rauskommt: Nie mehr wird es sein wie vorher.

Das Wetter, hier Corona, beeinflusst den Weg. Statt der zweiten Vollversammlung am 4.9.  „nur“ Regionenkonferenzen. Ich war bei der Regionenkonferenz in Dortmund. Ein „westfälisch-bodenständiges Treffen mit einer Prise Rheinland“, wurde gewitzelt. Bei allen Unterschieden war es nicht extrem bei uns. Und doch: ein Ringen um Positionen und Ausdrucksweisen.

Das Ringen, gemeinsam – und persönlich: Sage ich, was ich denke? Öffne ich den anderen, was ich fühle? Viele haben das getan. Eine Frau sagte zu Beginn: „Ich weiß nicht, ob man das hier sagen darf“, und erzählte, dass sie 25 Jahre lang jeden Tag zur Messe gegangen sei und das seit dem Lock-Down nicht mehr tue, um zu überdenken, welche Praxis für sie noch stimme. Das öffnete. „Danke, liebe Mit-Synodalin!“

Dann sitze ich selbst da und frage mich, welche meiner Wahrnehmungen und Fragen, Gedanken und Gefühle ich öffnen soll für die Gruppe. Ich persönlich kann das nicht planen. In der Vollversammlung hatte ich mich nie gemeldet, bei der Regionenkonferenz eifrig mitgeredet. Wo war es richtig und wo nicht? Ein Synodaler sagt, meine Aussagen seien erfrischend – und als alles vorbei ist, merke ich, dass ich einem auf die Füße getreten bin mit etwas, was ich als Ermutigung meinte. Gut, dass er es mir gesagt hat. Scherben aufzukehren habe ich versucht. Zum Kitten hat es nicht gereicht. Was geht? Wie gehen wir? Wie weit und wie schnell? Der Weg entsteht aus den vielen Schritten einzelner. Mir hilft nur zu versuchen, jeweils auf den Geist zu hören. Sitzen bleiben oder aufstehen. So zu formulieren oder so.

Es erfüllt mich mit Ehr-Furcht, bei diesem historischen Moment dabei zu sein. Mein Wunsch: dass wir gerade als Ordensleute wissen, dass wir alle dabei sind. Wer den Synodal*innen die Offenheit für den Heiligen Geist erbittet, leistet einen unverzichtbarer Beitrag zum Synodalen Weg – und ist mit dabei.

Hinweis: Das Foto stammt von der Regionenkonferenz des Synodalen Wegs in Dortmund am 05. September 2020.