31.01.2021

Licht der Völker

von Sr. Bernarda Mosler OSB

Ein neugeborenes Baby in den Armen zu halten, ist für jeden Menschen sehr berührend. Jede Regung des kleinen Menschenkindes öffnet unser Herz. Alles an ihm ist schon miniaturhaft gebildet. In jedem Baby ruht eine Verheißung, eine Hoffnung für die Zukunft.

Als die Gottesmutter Maria den greisen Propheten im Tempel von Jerusalem das neugeborene Jesuskind in die Arme legt, erfüllt sich für Simeon und Hannah die alte Verheißung Gottes. Sie halten nicht nur ein Baby, sondern das Licht der Völker in ihren Armen. Ihre lebenslange Sehnsucht mit dem neugeborenen Messias das Heil zu schauen, hat sich erfüllt. Nun können sie in Frieden scheiden. So idyllisch ist das Festgeheimnis der Darstellung des Herrn am 2. Februar jedoch nicht. Der Gottesmutter wird vorausgesagt, dass sie die Passion Christi mitleiden wird. Das Licht der Völker kam in die Finsternis von Unglauben und Ablehnung, aber die Finsternis hat es nicht erfasst. Damals wie heute.

Doch vor Gott ist auch die Finsternis nicht finster. Auch nicht in dieser besonderen Zeit, wo in Kirche und Gesellschaft so viel dunkle Nacht zu sein scheint. Gerade jetzt braucht Gott uns, um - wie Maria - Christus, das Licht der Völker zu den Menschen tragen. Denn überall in dieser scheinbaren Gottesfinsternis versteckt sich die Sehnsucht nach Gott! Darum können wir uns den Satz von Papst Franziskus „Ich bin eine Mission“ (Evangelii gaudium, Kap. 273) in diesem Jahr noch mehr zu eigen machen. Auch wenn ‚Erfolg‘ und Fruchtbarkeit unsichtbar bleiben sollten. Wenn nicht hier, so hoffe ich, dass irgendwo auf der Welt unser Sein vor Gott, unser Beten und unsere Hingabe neue Sehnsucht nach dem Licht der Völker wecken wird. Denn: „Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott, mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?“ (Nelly Sachs).

Bild: © Stadtdekanat Bonn