Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Der Zeitgeist und die Selbstlosigkeit

Unsere Klosterkirchen und -kapellen haben die Gnade der einfachen und armen Geburt. Selbst wenn sie prunkvoll und kulturhistorisch interessant ausgestattet sind, würde doch wohl niemand auf die Idee kommen, Eintrittsgeld für die Kirchbesichtigung zu verlangen. Bis vor kurzem war es in der katholischen Kirche in Deutschland ein ungeschriebenes Gesetz: Der Kirchbesuch – aus welchem Grund auch immer – ist gratis. Dies ist seit dem 1.Juli anders. In ökonomischer Ökumene haben sich die Verantwortlichen für den Kölner Dom wie schon lange Zeit vorher die Verantwortlichen für den Berliner Dom dem Zeitgeist gebeugt. Wer etwas Besonderes sehen will, soll dafür auch bezahlen.

Ich weiß, dass die Kosten zur Erhaltung von Kirchen aufgebracht werden müssen. Als Ordensleute müssen wir nicht nur die Kirchen sondern auch unsere Häuser finanzieren. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass es gerade für solch herausragende Bauwerke wie den Kölner Dom andere Finanzierungsmöglichkeiten geben würde, mögen diese vielleicht auch nicht so leicht zu finden und umzusetzen sein. Wahrscheinlich würde es auch Demut fordern, auf mögliche Spender zuzugehen und sich eventuell auf Kompromisse einzulassen. Ich spreche hier aus Erfahrung. Die Kosten auf die Besucher umzulegen, ist der bequemste Weg. Die Besucher können sich nicht wehren.

Aus meiner Sicht zahlt die Kirche für das Eintrittsgeld einen hohen Preis. Es kostet ihr das Alleinstellungsmerkmal der Selbstlosigkeit. Man kann zwar kostenlos in viele schöne Kirchen gehen, in die beiden prominenten Gotteshäuser in Köln und Berlin jedoch nicht. Ob der Kölner Dom, der bekanntlich sich selbst gehört, damit einverstanden ist, dass nicht mehr alle unbeschwert in ihn kommen können? Ich wüsste zu gern, was er selbst sagen würde. Doch seine Steine schweigen beharrlich. Ich hoffe nur, dass keine Klosterkirche sich diesem Zeitgeist beugen wird. Bei unserer kleinen Klosterkapelle wird nie die Versuchung aufkommen, Eintritt zu verlangen. Und ich bin froh drum. Ich freue mich, dass immer wieder Leute kommen und sich in unsere Kapelle setzen. Unsere Klosterkapelle verkündet eine wichtige Botschaft, hinter der wir Ordensleute als begrenzte Menschen zurückbleiben. Die Kapelle ist ein Symbol der Selbstlosigkeit Gottes. Sie ist immer da und immer offen. Der Eintritt ist frei, es kostet nichts, höchstens die Überwindung der Scheu, sich auf Neues einzulassen. Und wer gezielt in unsere Kapelle kommt oder lange genug bleibt, kann uns dort beim Beten erleben.

P. Bruno Robeck OCist, Langwaden

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Über den Autor

P. Bruno Robeck OCist ist Prior des Zisterzienserklosters Langwaden.

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