Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Anstecken lassen von der Freude am Glauben

Am 11. November begehen wir Salesianer Don Boscos den 150. Jahrestag der ersten Missionsaussendung durch den hl. Johannes Bosco (1815-1888). Es waren 10 junge Ordensmänner zwischen 20 und 38 Jahren, die er damals mit dem Segen des Papstes nach Patagonien im Süden Argentiniens entsandte. Sie wussten nicht, was sie dort erwarten würde. Aber sie waren begeistert von ihrem Auftrag, Christus und sein befreiendes Evangelium zu Menschen zu bringen, die ihn noch nicht kannten. Don Boscos mutiger Schritt ermöglichte die weltweite Ausdehnung unserer Gemeinschaft, die heute zum Wohl der Jugend in 137 Ländern der Welt tätig ist. Die von Don Bosco zusammen mit der hl. Maria Mazzarello (1837-1881) gegründeten Don-Bosco-Schwestern stehen in 90 Ländern im Dienst von Kindern, Jugendlichen und Frauen.  

Seit der Zeit Don Boscos hat sich viel verändert. Inzwischen ist das „christliche Abendland“ selbst zum Missionsland geworden. Nicht wenigen erscheint „Mission“ heute aber suspekt. Missionarische Berufungen sind höchst selten geworden. Die Menschen hätten doch überall ihren Glauben, den man ihnen einfach lassen solle, wenn sie damit glücklich seien. So lautet die gängige Meinung bis in kirchliche Kreise hinein. Doch eine Kirche, die aufhören würde, aktiv das Evangelium zu verkünden, eine Kirche, die nicht missionarisch wäre, eine solche Kirche würde sich selbst aufgeben, schlimmer noch, sie würde die Überzeugung aufgeben, dass Christi befreiende Botschaft dem Heil der Menschen dient.

„Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt etwas. Es ist nicht das Geld. Es sind auch nicht die Gläubigen. Unserer katholischen Kirche in Deutschland fehlt die Überzeugung, neue Christen gewinnen zu können. Das ist ihr derzeit schwerster Mangel. In unseren Gemeinden, bis in deren Kernbereiche hinein, besteht die Ansicht, dass Mission etwas für Afrika oder Asien sei, nicht aber für Hamburg, München, Leipzig oder Berlin.“ An diese eindringlichen Worte, mit denen vor 25 Jahren der Erfurter Bischof Joachim Wanke einen Hirtenbrief über den Missionsauftrag der Kirche in Deutschland begann, muss ich oft denken. Sie scheinen mir heute ebenso zutreffend zu sein wie damals.

„Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6,45), sagt Jesus im Evangelium. Damit ist ein jeder und eine jede ganz persönlich angefragt, wovon sein oder ihr Herz voll ist: Ist es die Liebe zu Jesus Christus und die Freude an seiner Botschaft? Gerade von den Christinnen und Christen in den jungen Kirchen können wir uns in der Freude am Glauben anstecken lassen. Sie können uns zeigen, was es heißt, in unserem Leben, Reden und Handeln das zu sein, was wir sein sollen: Zeuginnen und Zeugen des Evangeliums.

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Über den Autor

P. Reinhard Gesing SDB ist Provinzial der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos.

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