Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Auf der großen Suche

„Es war einmal ein Suchender. Er suchte nach einer Lösung für sein Problem, konnte sie aber nicht finden. Er suchte immer heftiger, immer verbissener, immer schneller und fand sie doch nirgends. Die Lösung ihrerseits war inzwischen schon ganz außer Atem. Es gelang ihr einfach nicht, den Suchenden einzuholen, bei dem Tempo, mit dem er hin und her raste, ohne auch nur einmal zu verschnaufen oder sich umzusehen. Eines Tages brach der Suchende mutlos zusammen, setzte sich auf einen Stein, legte den Kopf in die Hände und wollte sich eine Weile ausruhen. Die Lösung, die schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, dass der Suchende einmal anhalten würde, stolperte mit voller Wucht über ihn! Und er fing auf, was da so plötzlich über ihn hereinbrach, und entdeckte erstaunt, dass er seine Lösung in den Händen hielt.“                                                    

                                                                                                     ~Legende. Lothar J. Seiwert: Wenn du es eilig hast, gehe langsam

Mich hat diese Legende sehr nachdenklich gestimmt. Wieviel Zeit nehmen wir uns, wenn wir vor einem Problem, einer Herausforderung stehen, um zu einer guten Lösungsmöglichkeit für alle Betroffenen zu kommen, insbesondere wenn es in einer ohnehin turbulenten Situation fällt….

Vor einiger Zeit erzählte meine Freundin von einer Begebenheit mit ihren Kindern, alle in der Pubertätsphase, und sie meinte, dass diese Phase doch für die Familie insgesamt eine ziemlich herausfordernde Zeit sei. An diesem Tag war sie ziemlich genervt und die Kinder haben es natürlich aufgrund ihrer Reaktionen gleich gespürt. Irgendwann meinte die Älteste: „Du, Mama, vielleicht solltest Du jetzt erst einmal meditieren gehen, bevor wir weiterquatschen.“ Zunächst etwas verärgert über diese Aufforderung, ist ihr doch rasch deutlich geworden, dass ihre Tochter einen Nerv getroffen hatte. Sie hatte recht. „Ich musste mich eine Zeitlang zurückziehen und mich in die liebende Gegenwart Gottes einfinden, um mich von IHM her „ordnen“ zu lassen.“

Wie gut tut es, Menschen an seiner Seite zu haben, die liebevoll, aber auch klar und deutlich rückmelden, wie sie mich gerade erleben und mich gleichzeitig auf die Quelle meines Lebens hinweisen, die mich aufatmen und zur Ruhe kommen lässt und mir hilft manches in neuem Licht zu sehen und so, wie der Suchende, „die Lösung“ als Geschenk entgegen zu nehmen.

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Über die Autorin

Sr. M. Michaele Rohde BMVA ist Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskanerinnen.

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