Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Christkönigsonntag

Wer beherrscht unser Tun und Denken? Wer entzündet unsere Liebesfähigkeit und befreit uns zum Leben, zur Lebenshingabe? Der König der Christen ist einer, der nicht mit Zepter und goldener Krone seine Macht aufzeigt. Vielmehr ist dieser Gottkönig einer, der in unser menschliches Sein einsteigt, um Schmerz und Ohnmacht aus Liebe zu teilen. Er öffnet uns so menschennahe Horizonte der Ewigkeit. Jesus belohnt nicht menschliche Leistung – auch nicht die fromme. Vielmehr liebt er selbst noch im letzten Augenblick einem ohnmächtigen Schächer ins ewige Leben hinein.

Was für ein Kontrastprogramm zu der Art und Weise, wie diese Welt tickt und Könige formt. Vor ein paar Tagen habe ich mir von unseren Fachverantwortlichen das Zukunftsszenario der Pflege betagter Menschen in 10 Jahren aufzeigen lassen. Bis ins Jahr 2035 werden nach deren Prognose in Deutschland für die Altenpflege 350.000 Stellen weniger zur Verfügung stehen als heute. Zum gleichen Zeitpunkt werden wir mindestens doppelt so viele Pflegebedürftige zu versorgen haben. So werden - gemessen an heutigen Standards - für den Großteil der betroffenen Menschen diese Pflege nicht mehr erreichbar sein. Menschliche Ressourcen der Barmherzigkeit und Nächstenliebe werden gesucht und immer weniger zu finden sein. In Japan, wo die Bevölkerung auf dem Land bereits heute dieses Szenario real erlebt, entstehen roboterunterstützte Pflegeformen, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz menschliche Bedürfnisse nach Zuwendung und Ansprache durch Maschinen übernehmen. Ich will diese Entwicklung nicht komplett verurteilen, aber der Mensch wird vom wirklich Lebendigen aus der Not heraus abgeschnitten.

Unser Christkönig sichert sich und die seinen nicht vor diesen Herausforderungen ab und empfiehlt stattdessen gute Deals und geniale Lösungen. Er steigt in die menschliche Begrenztheit und Not ein, um uns als Mensch und Gott nahe zu bleiben. Welch königlich-göttlich-menschliche Geste der Hoffnung und der Liebe, von der wir unsere Liebe neu entzünden lassen können. Das Ganze bedeutet, sich auf eine Baustellensituation unserer Lebenswelt und seines Gottes Reiches einzulassen und mit Gottes Nähe und seiner Liebe darin zu rechnen.

Übersicht aller wöchentlichen Kolumnen 

Über die Autorin

Sr. Maria Hanna Löhlein OSF ist Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute.

Hier geht es zur Website der Franziskanerinnen von Reute.