Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Die Rollen vom hl. Joachim und der hl. Anna im Heilsplan Gottes

„Heute Ist der Gedenktag der hl. Joachim und der hl. Anna. Von diesen beiden Heiligen wissen wir nichts, noch nicht einmal die Namen.“ So formuliert vor vielen Jahren vom damaligen Professor für Dogmatik in Erfurt. Mit dieser scherzhaft gemeinten widersprüchlichen Aussage wollte er darauf hinweisen, dass die Namen der Eltern Marias in der hl. Schrift nicht erwähnt, sondern nur in einem der apokryphen Evangelien überliefert sind. Der Grund für die große Verehrung vor allem der hl. Anna durch alle Jahrhunderte ist ihre verwandtschaftliche Nähe zum menschgewordenen Sohn Gottes. Das zeigt sich an der häufigen Darstellung der hl. Anna als „Annaselbdritt“. Das Jesuskind auf dem Schoß und eine oft recht kleine Maria neben sich ist das Erkennungszeichen für die hl. Anna in der christlichen Kunst. 

In der Regel haben diese Beigaben (Rad, Drachen, Turm, Kelch, Spaten…) einen Bezug zum Leben und Wirken der dargestellten Heiligen oder zur Art ihres Martyriums. Das ist bei den Eltern Marias anders. Ihre Verehrung hat ihren Grund nicht in ihrer persönlichen Leistung, sondern weil sie die Großeltern des menschgewordenen Logos sind. Es ist ihre Stellung im Heilsplan Gottes, die sie zu Heiligen macht, nicht ihre Wahl oder Entscheidung. Auf sie trifft in besonderem Maße die Aussage des hl. Paulus in der 2. Lesung des heutigen Sonntages zu: Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht: die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. (Röm 8,30)

Heiligkeit, Teilhabe an der Herrlichkeit Gottes ist freie Gabe, Fügung, Entscheidung Gottes. ER legt fest, ER beruft, ER befähigt und ER bringt zum Ziel. Joachim und Anna wurden nicht gefragt, es wurde über sie verfügt. Dass im Raum dieser Abhängigkeit von Gott die Freiheit des Menschen nicht eingeschränkt ist, das ist Zeichen seiner Größe und Hoheit und Ausdruck seiner Liebe. Unser Mittun bei seinem Plan, unser Zustimmung, unser Fiat ist nicht bedeutungslos.  Sein absolut geltender Wille und unser notwendiges Bemühen um unser Heil sind wie die zwei Seiten einer Medaille. 

Weil aber unsere erfolgs- und leistungsorientierten Zeit in allen Bereichen davon ausgeht, dass alles in unserer Hand liegt, ist es wohl besonders wichtig, immer neu von Anna und Joachim zu lernen, sich ganz den Händen Gottes zu überlassen, der allein uns zur Herrlichkeit führen kann.  Die Fürsprache der hl. Anna und des hl. Joachim wird uns sicher dabei helfen.

Übersicht aller wöchentlichen Kolumnen

Über die Autorin

Sr. M. Dominika Kinder CSSE ist Ordensmitglied der Schwestern v. d. hl. Elisabeth sowie päpstliche Kommissarin des Ursulinenklosters in Neustadt a. d. Dosse und Generaladministratorin der Schwestern vom Heiligsten Herzen Jesu.

Hier geht es zur Homepage der Schwestern v. d. hl. Elisabeth