Kolumne: Die Zeit - aufgehoben
Gerade haben wir unsere geschriebenen Weihnachtsgrüße gelesen, denen oft der Wunsch für ein gutes Neues Jahr beigefügt wurde. Jetzt ist es da, das neue Jahr, die erste Arbeitswoche ist angebrochen. In der Sanduhr der Zeit rauscht die uns unbekannte Zukunft durch die winzige Enge der Gegenwart, Zeitkorn um Zeitkorn in die Tiefe der Vergangenheit und des Vergessens. Und da ist keiner, der uns die Uhr wieder umdreht. Schneller, höher, intelligenter, effektiver, billiger sagen Politik, Wirtschaft und Industrie in ihrer unreflektierten Fortschrittsideologie. Habe ich überhaupt eine Chance, da auszubrechen, muss ich da mithalten?
„Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen.“ sagte der Komponist Igor Strawinsky im letzten Jahrhundert. Bin ich überhaupt der Herr und die Herrin meiner Zeit – heute im Jahr 2026?
Meine Mutter sagte uns Kindern gerne: „Es kommt nichts auf dich zu, was nicht vorher durch die Hand Gottes gegangen ist.“ Gott ist immer mitten drin im Geschehen, er lenkt und leitet uns, wenn wir ihn nur lassen.
Der frühere amerikanische Präsident Abraham Lincoln hat einen lebensklugen Rat gegeben: „Nimm dir jeden Tag dreißig Minuten trotz und wegen deiner Sorgen frei, und in dieser Zeit tritt ein in die ewige Gegenwart Gottes.“ Bei ihm ist und wird all unsere Zeit - ganz gleich ob Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit - im dreifachen Sinne, wie der Philosoph Hegel meinte, aufgehoben: Sie wird aufgehoben im Sinne von beendet. Sie wird aufgehoben im Sinne von gut aufbewahrt. Sie wird aufgehoben im Sinne von hinaufgehoben in das ewige Dasein Gottes. All unsere Zeit ist unmittelbar mit Gott verbunden und also eine gute Zeit für die Privataudienz unserer Zwiesprache mit Gott.
Diese dreißig Minuten Lebensqualität in Gottes Gegenwart wünsche ich Ihnen alltäglich, sonntäglich, tagtäglich. Dann wird das neue Jahr 2026 ein gutes Jahr, im besten Sinne ein Jahr des Herrn.