Kolumne: Eine Begegnung mit Sr. M. Crescentia Höß
Vor genau 25 Jahren wurde unsere Mitschwester, Sr. M. Crescentia Höß (1682 bis 1744) von Papst Johannes Paul II heilig gesprochen. Im Moment beschäftige ich mich aus diesem Anlass mit dem Thema „Heiligkeit“ und was dies (für mich) bedeuten könnte. Auch möchte ich Crescentia nicht auf einen Sockel heben, - sie selbst hätte das wahrscheinlich am wenigsten gemocht. Stand sie doch mit beiden Beinen auf der Erde. Vielmehr ist es mir ein Anliegen, mich damit zu befassen, was denn ihre Entwicklung befördert hat und was mir ihre Heiligkeit heute sagen könnte.
Ihre Oberin Johanna Altwöger schreibt an ein befreundetes Kloster, dass „alle Menschen getröstet“ von Crescentia weggehen und damit beschreibt sie sicher ihr größtes Charisma. Im Betrachten ihres Lebens und dem Staunen darüber, dass sie trotz ihrer widrigen und schweren Erfahrungen, die sie in Ihrem Leben machen musste, heil geworden ist.
Durch ihr Vertrauen in Gottes Führung und dem sich öffnen für den Heiligen Geist, konnte sie an ihrem Weg in der Nachfolge Jesu als Franziskanerin festhalten. Dabei ist sie so über sich hinausgewachsen, dass Menschen in Ihrer Nähe spürten, bei Crescentia bin ich gesehen. Ich kann mich ihr Anvertrauen. Sie ist mit Gott in Verbindung. SEINE Liebe spricht aus ihr. So wird der Schuh zwar nicht kleiner, wenn ich das Vorbild einer heiligen in der eigenen Gemeinschaft vor Augen habe, allerdings zeigt mir Crescentias Wachstum Spuren des Wirkens Gottes an Ihr und an den Menschen, die in der Begegnung mit Ihr „Trost“ gefunden haben. Also ein Stück heil werden konnten, neuen Lebensmut gefasst haben. Sich gesehen und wertgeschätzt fühlten.
Und was heißt das für mich heute? Ich darf mich auch immer wieder IHM anvertrauen, mich von IHM anschauen lassen, mir neuen Lebensmut schenken lassen und im weiterschenken an die Menschen um mich herum hoffen, dass in meinem Tun auch ein Stück der Liebe Gottes für mich und für die Menschen sichtbar wird.