Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Eine Realität ohne Maske

Vor einigen Tagen habe ich den Film:“ Führer und Verführer“ gesehen. Es ging um Hitler und seinen Propagandaminister Göbbel. Es hat gezeigt, wie Propaganda funktioniert und wie man inszenierte Szenen ganz natürlich und authentisch wirken lassen kann. Man konnte damals kaum unterscheiden, was ist echt und was ist erschaffene Realität. Eine meiner Erkenntnisse aus diesem Film ist, dass es die echte Realität nicht gibt und jede Situation auch eine erschaffene und interpretierte Realität ist.

Die Faschingszeit, in der wir gerade stehen, ist eine Zeit, in der ich in eine anderer Rolle und damit auch eine kleines bisschen in eine andere Realität hineinschlüpfen kann. Vielleicht auch Dinge auszuprobieren, die ich in meinem alltäglichen Leben nicht wagen würde. Wir interpretieren eine Rolle und geben uns hinein. Und doch ist es nur eine Maske, die man aufsetzt. Der Aschermittwoch nimmt uns diese Maske von Gesicht und lädt uns ein in den nächsten 40 Tagen in besonderer Weise in die Realität Gottes hineinzusteigen. Diese Realität will uns helfen, uns selbst auch ohne Maske ansehen zu können. Uns lieben zu lernen, wie wir geschaffen sind und in diesem Wissen um das geliebt sein, nicht so bleiben zu müssen, wie wir sind.

Die Fastenzeit gipfelt im Karfreitag mit der Fragen Jesu: „Was ist Wahrheit?“ und bis heute steht diese Frage im Raum. Wir müssen täglich neu die Antwort auf diese Frage finden und uns dabei bewusst sein, dass wir die Frage aus unserer je eigenen Perspektive beantworten.  Wir müssen unsere Wahrheit mit den Wahrheiten der anderen abgleichen, um uns auf die gemeinsame Wahrheit zu einigen und dieser Prozess ist nie beendet. Es geht um ein beständiges „in Dialog bleiben“.

Im oben erwähnten Film wurde gezeigt, was passiert, wenn ein menschenfeindliches Weltbild, über ihre systematisch angelegte Propaganda definiert, was Wahrheit ist! Bleiben wir im Dialog, auf der Suche nach der gemeinsamen Wahrheit. Lassen wir uns nicht von den Lauten und Aggressiven vorschreiben, was wir zu denken und zu tun haben. Bleiben wir verbunden mit der göttlichen Quelle der Wahrheit, dem Schöpfer, der seine Geschöpfe liebt.

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Über die Autorin

Sr. Hannah M. Altmann ist Mutterhausoberin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz Paul - Mutterhaus Augsburg.

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