Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Gegenseitiges Verstehen

„Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache reden hören?“ fragten sich die Leute, die zum jüdischen Pfingstfest aus aller Herren Länder in Jerusalem versammelt waren, als sie die Apostel predigen hörten. Wir kennen die Antwort auf diese Frage: die Fülle des Geistes, der von ihnen Besitz ergriffen hatte, befähigte die Apostel, so zu reden, dass auch die Fremden sie verstehen konnten.  

Vermutlich haben wir alle schon oft gedacht, wie schön es wäre, wenn auch wir diese Gabe hätten. Wie viel friedlicher ginge es auf der Erde zu, wenn jeder jeden versteht, wenn es keine Missverständnisse, keine Sprachbarrieren, kein Unverständnis gäbe. Der Wunsch verstanden zu werden, ist in allen Menschen tief verankert. Die Erfahrung, nicht verstanden zu werden tut weh, macht einsam und heimatlos. Jede Integration beginnt daher mit dem Erlernen der Sprache. Dass Kommunikation nicht zum gegenseitigen Verstehen führt, erleben wir aber nicht nur bei fehlender Kenntnis fremder Sprachen. Auch im Kreis derer, die die gleiche Muttersprache haben, kann man die Erfahrung machen, dass man nicht verstanden wird, dass man aneinander vorbeiredet, dass das, was man meint und sagen will, nicht ankommt. Dass der andere mich versteht, dass meine Worte wie seine eigenen klingen, ist, so erzählt die Apostelgeschichte, das Geschenk des Heiligen Geistes.

Doch dieses Geschenk überkommt uns nicht zufällig, unvorbereitet, es hat auch etwas mit dem Inhalt der Rede zu tun. Am Schluss der Lesung am Pfingstfest sagen die Hörer voller Staunen: „Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.“ Die Apostel haben also nicht von sich erzählt, von ihren Erfahrungen, Leiden und Problemen, sondern von Gott und seinen herrlichen Taten. Der Heilige Geist ist Gott und redet von Gott. „An alles, was ich euch gesagt habe, wird er euch erinnern“, hat Jesus versprochen, als er den Geist, der nach seinem Weggang als Beistand bei den Jüngern bleiben sollte, ankündigte. Vom hl. Dominikus wird berichtet, dass er nur „von Gott und mit Gott“ redete.

Für uns heißt das, dass das gegenseitige Verstehen und damit Friede, Einheit und Geborgenheit in unserem Leben und in der Welt nur wachsen können, wenn auch bei uns Gott im Mittelpunkt allen Redens steht. Voraussetzung dafür ist, dass wir mit Gott reden im Gebet, dass wir auf ihn hören und über seine großen Taten immer wieder voller Dankbarkeit nachdenken.

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Über die Autorin

Sr. M. Dominika Kinder CSSE ist Ordensmitglied der Schwestern v. d. hl. Elisabeth sowie päpstliche Kommissarin des Ursulinenklosters in Neustadt a. d. Dosse

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