Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Heraus aus dem Gewohnten

Am 21. April erinnert der Welttag der Kreativität und der Innovation daran: Neues Leben und neue Perspektiven wachsen dort, wo Menschen den Mut haben, anders zu sehen und zu handeln.

Die Jünger im Evangelium vom Sonntag stehen mit leeren Netzen da. Sie haben alles getan, was sie konnten – und doch bleibt der Fang vergeblich. Da kommt einer ans Ufer, zunächst unerkannt, und sagt schlicht: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas finden“ (Joh 21,6a).

Die „rechte Seite“ ist mehr als eine praktische Anweisung. Sie weist auf den Ort des Segens hin, auf das Wirken Gottes, das unsere Anstrengungen übersteigt. Wer auf das Wort Jesu hört, findet Fruchtbarkeit und Fülle dort, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet.

Franz von Assisi hätte diese Aufforderung wohl sofort verstanden. Er hat die Erfahrung gemacht: Das Evangelium führt nicht in die Sicherheit, sondern in die Weite. Es ruft heraus aus dem Gewohnten – hin zu den Menschen, zu den Rändern, zu den Überraschungen Gottes.

Vielleicht liegt die „rechte Seite“ genau dort, wo wir nicht zuerst suchen würden: bei den Armen, bei den Fragenden, bei denen, die sich von Kirche entfernt haben. Dort, wo wir keine fertigen Antworten haben, sondern lernen müssen zuzuhören – und selbst neu zu fragen.

Kreativität im Geist des Evangeliums bedeutet nicht, immer neue Ideen zu produzieren. Sondern sich berühren zu lassen. Sich hinterfragen zu lassen. Einfach zu leben, offen zu bleiben – und zu vertrauen, dass Gott längst am Werk ist. Vielleicht ist jetzt die Zeit, die Seite zu wechseln. Dort das Netz auszuwerfen, wo Gottes Hand uns führt – auf die rechte Seite des Lebens, wo Segen und neues Leben schon auf uns warten.

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Über den Autor

Br. Markus Fuhrmann OFM ist Provinzialminister der Deutschen Franziskanerprovinz.

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