Ordensgemeinschaften in Deutschland

Kolumne: Herz-Sklerose?

Die evangelische Kirche setzt über die österliche Bußzeit die Überschrift:„Sieben Wochen ohne Härte – mit Gefühl“
Unsere Welt ist angefüllt mit Gewalt, sie ist voller Streit, voller Härte. Härte verletzt. Wo wir auf Härte treffen, werden wir oft selbst auch hart.
Ich kann keine Schutzmauer um mein Herz bauen, die alles Beängstigende, Bedrohliche und Enttäuschende von mir fernhält, die keine Verletzungen zulässt. Diese Mauer schließt dann auch Freude, Glück, Momente tiefer Versöhntheit aus. Ein dicker Panzer schützt nicht nur vor Angriff und Anfrage, sondern verhindert auch, uns von Gott berühren zu lassen.

„Verhärtet Eure Herzen nicht, hört auf die Stimme des Herrn“.
Morgen für Morgen singen wir diesen Vers aus dem Psalm 95. Im Griechischen bedeutet Verhärtung: sklerosis. Sklerose. Ein Begriff, den wir aus der Medizin kennen. Ein sklerotisches Herz stirbt, es verliert seine Beweglichkeit, seine Elastizität. Es verliert seine Sanftmut, die Güte, mit der unser Schöpfer unser Leben gewoben hat.

Jesus zeigt uns in seinem Evangelium einen anderen Weg, der diese Welt zu verändern vermag: Er geht den Weg der Güte, der Barmherzigkeit, der selbstlosen und vorbehaltlosen Liebe. Er hat sich verletzlich und verwundbar gemacht. Er war DER Mitfühlende. Darum konnte er sagen: „Liebt Eure Feinde“, „Verurteilt nicht“ oder „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Das war er: ein sich Verschenkender. Er hat sich ausgeteilt an die Menschen – ohne Berechnung, ohne egoistische Motive.

Die Liebe war es, die ihn den Weg des Kreuzes gehen ließ ist. Für uns. Die Liebe war sein Antrieb, unsere Menschenwege zu teilen: Liebe, Verrat, Verleugnung, Verurteilung, Schmerz, Tod. Auch heute will er uns aus engen, verletzenden Strukturen herauslieben und uns heilen. Aus der Verkrampfung und Verkrümmung in den aufrechten Gang, unserer Würde gemäß. Die kommende Zeit auf Ostern hin kann ein Übungsweg werden: weg von der Härte ins Mitgefühl, in die Güte, in die Zärtlichkeit, ins Verstehen.

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Über die Autorin

Sr. M. Scholastika Jurt OP ist Generalpriorin der Arenberger Dominikanerinnen.

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