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Kolumne: Leuchtendes Universum

Zwar haben wir einen ausgesprochen warmen, um nicht zu sagen heißen Sommer, und wenn man diese Farben aus dem Roseninneren einer unserer Gartenrosen sieht, wird einem noch wärmer zumute. Trotzdem, wenn man das Foto mal ganz cool betrachtet, ist es doch eine erstaunliche Licht- und Lebenspracht, wie kostbares Gold, wie die Beschreibung der Tora in Ps 118: „süßer als Honig“ und „Licht über meinem Pfad“.

Rainer Maria Rilke schrieb ein wunderschönes Gedicht über das Roseninnere. „Wo ist zu diesem Innen ein Außen? Auf welches Weh legt man solches Linnen? Welche Himmel spiegeln sich drinnen in dem Binnensee dieser offenen Rosen, dieser sorglosen, sieh: wie sie lose im Losen liegen, als könnte nie eine zitternde Hand sie verschütten. Sie können sich selber kaum halten; viele ließen sich überfüllen und fließen über von Innenraum in die Tage, die immer voller und voller sich schließen, bis der ganze Sommer ein Zimmer wird, ein Zimmer in einem Traum.“

Dies ist wahre Dichtung, ein dichter Text voller Wortspiele und Assoziationen und zugleich kein Wort zu viel. Gibt es heute noch solche Dichtung? Wie gut, dass wir in der Lage sind, diese Kostbarkeiten an Kunst zu bewahren. Auf welches Weh legt man solches Linnen? Arme, verwundete Menschheit. Nur Gott selbst kann trösten und heilen, aber er tut es durch seine Schöpfung, durch seine Natur, durch seine Menschen, durch seinen Heiligen Geist. Wohl jeder hat schon einmal solch ein Rosenblatt berührt, zwischen den Fingern gehalten. Kein Stoff ist so zart. Auf welches Weh legt man solches Linnen? Für jedes Weh hat unser Schöpfer einen Regen voller Rosenblätter.

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Über die Autorin

Sr. Gratia Adler OCSO ist Äbtissin der Abtei Maria Frieden in Steinfeld.

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