Kolumne: Mensch & Technik
Die Abkürzung „KI“ ist längst zu einem festen Begriff geworden. In den Medien wird über ihre Chancen und Risiken diskutiert. An Schulen und Universitäten wird sie im Unterricht thematisiert. In Parlamenten wird über sie debattiert. Forschungsinstitute auf der ganzen Welt beschäftigen sich intensiv mit der Entwicklung von KI.
Handelt es sich bei der Künstlichen Intelligenz nicht letztlich um die Fortsetzung eines Trends, mit dem wir es schon längst zu tun haben? Seit Jahren „googeln“ wir, wenn wir im Alltag an die Grenzen unseres Wissens stoßen. Ebenfalls lassen wir uns seit Jahren die Fahrtrouten von Navigationsgeräten berechnen. Und wenn mir ein Übersetzungsprogramm einen Text in eine andere Sprache überträgt, dann sehe ich darin eigentlich eine große Erleichterung.
Zugleich gilt aber auch: Kein Computer dieser Welt wird mir jemals die Aufgabe ersparen, einem Freund etwas von meinen Gefühlen zu offenbaren. Dazu brauche ich ja nicht bloß Worte und Sätze, sondern vor allem mein Herz und dessen ganz spezifische Ausdrucksweisen. Auch zu staunen, mich zu freuen, zu hoffen, mutig zu sein, liebevoll mit meinen Mitmenschen umzugehen, mir Sorgen zu machen, traurig zu sein, zu klagen, zu beten – in alledem werde ich niemals von einem Computer ersetzt werden können.
Die wirklich wichtigen Herausforderungen ebenso wie die großen Fragen werden bleiben – mit oder ohne Künstliche Intelligenz: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Worin besteht der Sinn meines Lebens? Was ist meine Lebensaufgabe, meine Berufung? Warum müssen Menschen leiden? Wie gelingt Liebe?
Alle Technik ist letztlich nur ein Werkzeug, und Werkzeuge werden geschaffen und benützt, seitdem es das Menschengeschlecht gibt. Viel hängt davon ab, wie wir Werkzeuge einsetzen. Sie können Fluch oder Segen sein. Ich bin überzeugt: Der Mensch mit seiner Herzensbildung, seinem Gewissen und der Fähigkeit zu unterscheiden und zu gestalten spielt auch im Umgang mit KI eine wesentliche Rolle.